Wie man 300.000 Besucher an einem Tag bekommt

Ryan Durk hat es geschafft mit einer neuen Website an nur einem Tag 300.000 Besucher zu bekommen. Er hat eine gute Gelegenheit erkannt und seine Idee perfekt umgesetzt. Wie er dabei vorgegangen ist wird hier verraten.

Vor fast genau 25 Jahren, am 1. Januar 1983, wurde das ARPANET, der Vorläufer des Internet, auf das Transmission Control Protocol/Internet Protocol (kurz TCP/IP) umgestellt. Um dieses Ereignis zu feiern sah das Google Logo am 01.01.2008 so aus:

Google Doodle TCP IP

Was auf den ersten Blick wie Neujahrskonfetti aussieht ist in Wirklichkeit ein versteckter Text:

SYN SYN/ACK ACK

Das sieht für synchronize, synchronize/acknowledge, acknowledge also die Grundpfeiler jeder TCP/IP Verbindung.

Das wirklich besondere war aber, dass ein Klick auf das Logo eine Suche nach January 1 TCP/IP gestartet hat.

Die Folge? Natürlich Massen von Suchanfragen und zwar noch wesentlich mehr als bei einem normalen Doodle (so nennt man die besonderen Logos von Google). Bei einem so extremen Anstieg von Suchanfragen für eine Phrase sollte jedem Suchmaschinenoptimierer sofort ein Begriff einfallen:

Query Deserves Freshness (QDF)

Gute Beispiele sind Fernsehshows wie DSDS oder Popstars, bzw. die von ihnen gecasteten Bands. Zu bestimmten Zeitpunkten (Entscheidungsshows, CD Release) wächst das Interesse der Öffentlichkeit extrem stark an und damit auch das Volumen der Suchanfragen zu diesem Thema. Die Suchenden wollen meist aktuelle Informationen haben und diese liefert Google mit Hilfe des QDF-Faktors. Ein großer Anstieg des Suchvolumens innerhalb kurzer Zeit lässt den QDF Wert eines Suchbegriffs in die Höhe schießen und Google versucht aktuelle Inhalte zu präsentieren. Das macht es neuen Websites sehr leicht für einen solchen Begriff zu ranken.

Dass der QDF Wert für January 1 TCP/IP sehr hoch sein würde hat Durk sofort erkannt, also hieß es: reagieren.

Schritt 1 – Anlyse
Es gab relativ unrelevante Wikipedia Seiten mit automatisch-generiertem Content. Da die Backlink-Abfrage von Yahoo immer ein wenig hinterherhinkt war es nicht möglich zu erfahren woher diese Seiten ihre Links bezogen. Natürlich hätte man noch die Google SERP nach dem Wort January 1 TCP/IP weiter absuchen können um die Linkspender zu finden aber das war in diesem Fall nicht so wichtig da die Links höchstens ein paar Stunden alt gewesen sein konnten.

Schritt 2 – Content
Es wurde eine Möglichkeit gesucht Inhalte auf einer autoritären Seite zu publizieren die dem enormen Besucheransturm standhält und die Möglichkeit bietet Werbung einzublenden. Ryans Wahl viel auf Blogger.com und das ist denke ich in einem solchen Fall auch die beste Möglichkeit (außer man hat eine eigene, thematisch passende Seite die alle Anforderungen erfüllt).

Also hat er die Seite january-1-tcp-ip.blogspot.com registriert und einen Artikel nach den bekannten OnPage Kriterien erstellt.

Schritt 3 – Links
Es wurden Links benötigt: Möglichst viele, möglichst starke und das in möglichst kurzer Zeit!

Die ersten Linkquellen waren:

  • Blog Ping Services und Verzeichnisse
  • Social Bookmarking Seiten
  • Social News Seiten

Und dann hat Durk richtig zugeschlagen: Er hat auch Suchmaschinenoptimierung für seinen Artikel bei Digg.com betrieben und ihn mit Links versorgt. Die Idee ist einfach: Wenn ein Digg User die Google Suche benutzt und auf dem Digg Artikel landet ist die Möglichkeit, dass er für ihn votet sehr hoch.

Es läuft also so ab: Ein Digger geht auf Google.com, klickt aus Neugierde auf das Logo, landet in den January 1 TCP/IP SERP, klickt auf den Digg Artikel und votet. Mit den vielen Stimmen kam der Artikel dann natürlich auch auf die Digg Startseite.

Das Ergebnis

Nachdem ein zweiter Artikel geschrieben und ebenfalls gediggt wurde konnte Ryan zeitweise die Plätze 1, 2, 3 und 4 mit seinem neuen Blog und den Digg-Seiten belegen und über den ersten Januar hinweg Platz 1, 3 und 4 halten.

Google SERP
Alles in allem waren das 2.000 Digg Votes und 300.000 Besucher. Die Conversion Rate lag zwar bei unter 0,5%, doch 0,004 x 300.000 ergeben immer noch 1.200 Klicks.

Fehler
In seinem Vorgehen sieht Ryan Durk mehrere Fehler:

  1. Er hat den Traffic nicht genutzt um andere Seiten zu pushen.
  2. Er hat einen Text für Google und nicht für Menschen geschrieben. Mit einem besseren Artikel hätte er wesentlich mehr Stimmen bei Digg erhalten und hätte es vielleicht zum meist gevoteten Artikel aller Zeiten gebracht.
  3. Sein Layout war nicht für AdSense optimiert und allgemein scheint AdSense nicht die perfekte Werbeform gewesen zu sein.
  4. SERP Domination: Er hat die Top 4 nicht für sich behalten, geschweigeden noch mehr Plätze besetzen können.

Nachahmer
Im Laufe das Tages haben noch andere SEOs versucht mit Hilfe von Blogger und Digg Traffic abzufangen und Seiten wie january-1-tcpip.blogspot.com, january-1-tcp-ip-123.blogspot.com oder january-1-tcp–ip.blogspot.com erstellt. Doch niemand konnte Ryan einholen.

Übertragung auf Deutschland
In Deutschland ist das gesamte Suchvolumen natürlich wesentlich geringer als auf Google.com und 300.000 Besucher wird kaum jemand an einem Tag schaffen doch auch hier gibt es ähnliche Stories.

Sucht man nach Amateur Videos steht ganz oben in den SERP der meistgelesen Yigg-Artikel (lasst euch von den angeblich 380 Yiggs nicht täuschen, der Wert wurde manuell nach unten gesetzt). Ähnlich sieht es bei der Suche nach Sexvideo und Paris Hilton aus.

Während der zweite Artikel nur auf die Autorität von Yigg setzt wurde der erste ganz bewusst mit Links versorgt und dürfte Daniel und Michael zu nicht zu verachtenden Einnahmen verhelfen.

Merken
Wer jetzt nicht verstanden hat wie es geht:

  • Seiten wie Digg und Yigg kriegen neue Inhalte extrem schnell in den Google Index und somit zählen Links von diesen Seiten auch bereits nach kürzester Zeit.
  • Diese Seiten haben eine sehr große Autorität und können für die absurdesten Suchbegriffe gute Rankings erzielen. Neben der guten internen Verlinkung sorgt ihre Autorität dafür, dass man von außen problemlos große Mengen Deeplinks setzen kann ohne Sandbox Probleme zu bekommen.

Hier liefert mein Artikel zum Ranking von Social News Portalen ein gutes Beispiel.

Und nochmal zu Query Deserves Freshnes:

  • Suchvolumen eines Begriffs steigt -> QDF schlägt an -> Frischer Content wird gut gerankt und extrem schnelles Linkbuilding ist möglich.

Der SERP Screenshot stammt aus dem Artikel Gaining 300k Hits from Google in 24 Hours with January 1 TCP/IP.

51 thoughts on “Wie man 300.000 Besucher an einem Tag bekommt

  1. Danke für den Artikel, hat mich auf jeden Fall weitergebracht. Ich betreibe auch 2 Blogs und ein paar andere Seiten. Das gesamte Thema Marketing inklusive Google Addwords etc. ist für mich sehr neu, aber auch hoch interessant.

    Meine Werbeeinnahmen halten sich jedoch sehr in grenzen. Wie viel Zeit investierst Du täglich um diese Seite hier am laufen zu halten? Hast Du Dir mal Gedanken zu “zeitlosem” Contend gemacht… also Webseits die eben irgendwann keine besondere Pflege mehr benötigen?

    Gruß
    Andi

  2. Super Zusammenfassung zu der Idee von Durk, erinnert mich direkt an ebenfalls geniale Ideen wie die Bukake-Story, wo ein Seitenbetreiber seine wissenschaftlich getarnte Webseite von Universitäten hat verlinken lassen um danach dort nicht ganz jugendfreies Material zu vertreiben.

    Grundsätzlich macht es immer Sinn über Neuigkeiten zu schreiben, allein über den Longtail erhält man bei diversen Themen ungeahnt viele Besucher und frische, natürliche Backlinks… aber derartige Aktionen überbieten das natürlich um Längen! :)

    Thx for Sharing, Herr Landwehr — Beste Grüße – Marius

  3. Die Idee ist echt genial, so einfach wie logisch…man braucht nur artikel zu diggen die recht neu und genau zu dem thema passen in dem gerad die suchanfrage ziemlich hoch ist.

    Gerad bei TV Events ist sowas hilfreich wie der Artikel Ersteller es sagte (Beispielsweise hab ich eine Seite http://www.serienwelten.com die ich demnächst aufbauen möchte..da ist daß die TOP Idee direkt interessante Artikel zu schreiben die genau bestimmten Zeitpunkten entsprechen :) ).

    Für meine anderen seiten muss ich mir was einfallen lassen ;)

    TOP !

  4. Solche “Speziel-Suchen” sieht man ja in letzter Zeit immer häufiger – nur schade dass man vorher nie weiss was da als nächstes auftauchen wird…

    Gab es danach eigentlich noch andere nennenwerte Erfolge durch diese Taktik? Bei so vielen möglichen Besuchern wäre es ja wirklich interessant da immer am Ball zu bleiben.

  5. Das Thema klingt echt spannend. Denke, er hat nicht mit so einem Ansturm gerechnet, deshalb hat er seine Seiten nicht optimiert. Aus Fehlern lernt man, beim nächsten mal läufts besser.

  6. Pingback: twirlix » Blog Archive » Google: Aktualität vs. Autorität

  7. Sehr interessanter Blog und guter Artikel. Habe ich übrigens in der T3N gefunden, den Hinweis.
    Obwohl sich der Beitrag von so einem Hinweis wohl schwer eroieren lässt würde es mich sehr interessieren, was so etwas ausmacht. anyway, weiter so !

  8. Das Beispiel zeigt auf jeden Fall wie wichtig es ist auf Trends zu achten und wirklich immer auf Zack zu sein. Aber was hat er denn mit january-1-tcp-ip.blogspot.com danach angestellt? Die Seite scheint nun jedenfalls nichtmal mehr im Index zu sein – dafür ist nun lorm.de immerhin auf Paltz 3…

  9. Mein lieber Malte, wo Du nun derart prächtig gestartet bist und auch nicht vergessen hast die Laien mit ins Boot zu holen, danke ich Dir also für ein hoffentlich auch künftig spannendes Bookmark!

  10. (Tina sagt:
    Januar 15th, 2008 an 15:07
    Test ich mal bei der nächsten schlagzeile :d)

    Tja Tina…Du hast heute den Legotag verpasst…. ;)

    Sehr guter Artikel Malte. Die Tipps funktionieren. Danke.

  11. Pingback: 30 Websites um die neusten Trends zu finden

  12. Pingback: Startup-Café » Blog Archive » Wie bekommt man 300.000 Besucher an einem Tag?

  13. Pingback: Googles Weihnachtslogo für 2007 (Xmas) | Lestarte.com bLog

  14. wenn das mal nicht richtig cool ist. Da bestätigt es sich wieder. Die grossen fressen nicht die kleinen .. sondern die schnell die langsamen.

    Test ich mal bei der nächsten schlagzeile :d

    danke!

  15. Es waren nicht 300.000 Klicks, sondern wohl Besucher!
    Das ist schon ein erheblicher Unterschied.

    Das Vorgehen ist sehr gut, nur der Ertrag war wohl leider nicht so hoch.
    Viele von uns hätten die Besucher pro Tag gerne auf der eigenen Seite. Oder?

  16. Pingback: Was war in der Woche so los? » Chrischans Blog

  17. Hi Malte,

    das ist wirklich mal ein sehr schönes Beispiel für schnelles Reagieren eines SEO auf einen Trend sowie die Macht der großen web 2.0 Seiten.

    p.s. Du könntest etwas an Deiner Zeichensetzung arbeiten. :)

  18. Naja, die Seite hat bestimmt auch den ein oder anderen Link von außerhalb abbekommen und der Artikel wird unter den Digg-Top-Artikeln gerankt. Das heißt man könnte jetzt sehr gut Links zum Thema TCP/IP verkaufen.
    Oder eigene Projekte mit den Links pushen. Ist ja nicht so, dass man die Seite nach einem Tag wegwerfen müsste.

  19. Mhhh, also ich find das sehr interessant

    Aber das artet ja fast richtig in Arbeit aus… interessanter wäre wieviel rum gekommen ist dabei.
    Sagen wir mal so – Angenommen:

    - Clickrate/Konversationsrate: 1% (realistisch, fast schon zu optimistisch)
    - CpC im Durchschnitt 0,05 $ (bei einem Fachthema wie TCP/IP und AdSense)

    Dann wäre der Verdienst berechenbar mit:
    300.000 x 1% x 0,05$ = 150$

    Also für EINMLAL 150$ alle Hebel in Bewegung setzen? Da ist es ja fast verlockender als Klemptner einen Wasserhahn zu tauschen.

    Natürlich dauerhaft Tag um Tag…..

  20. Ist es nicht ein wenig viel Aufwand für 1200 Klicks und entsprechend 400 bis 600 Euro die da kommen? Nicht immer werden 300000 Besucher an einem Tag generiert..

  21. Bei Social Bookmark Seiten (z.B. Del.icio.us und Mister-Wong) wird meist ein kompletter Tag oder eine Kategorie gelistet, so dass man nicht den kompletten Traffic bekommt der dort landet.

    Aber man kann ja einfach mehrere Social News Seiten (z.B. Digg und Yigg) nutzen und versuchen deren Artikel auch zu ranken.

    Nur muss man erstmal welche finden die auch genug Trust haben.

  22. Wirklich sehr interessant. Da sieht man wieder das man aus S…. Gold machen kann. Ich hoffe er hat die Einnahmen zur Hälfte gespendet und so seinen Beitrag geleistet.

  23. Ja Tim, Nachahmer wird es sicher sehr viele geben. Da schaue man sich nur die Sache mit YouPorn, Timtube & Co. an. Aber wie heißt es so schön: Möge der Beste gewinnen, wobei es in diesem Fall natürlich auch wichtig war der Erste zu sein.

  24. Man hat das Gefühl, man hätte da mehr rausholen können, aber trotzdem eine spannende Geschichte. Nur schaltet Goggle eben nicht jeden Tag ein neues Logo und nach der Geschichte wird es beim nächsten Mal sicher viele Nachahmer geben.

  25. Sehr schöner Artikel – hat Spaß gemacht ihn zu lesen. Die Klickrate auf die Werbung war ja wirklich nicht sonderlich hoch. Mit etwas mehr Geschick bei der Wahl und der Platzierung der Werbung wäre sicher noch viel mehr drin gewesen.
    Trotzdem ist die Idee sehr interessant!!!

    grüße

  26. Pingback: Social Media Optimization: 10 (+1) nützliche Tipps für Erfolg mit Social Services - Erlebnisblog.de

  27. Wieder was gelernt. Schönes Blog!
    Dennoch frage ich mich, ob all das nicht irgendwann zu extremen Missbrauch führen wird. Dann sind Klickzahlen doch nichts mehr wert, weil sie de facto durchweg manipuliert und firsiert wurden. Und dann?!

  28. Das Internet wird schneller – auch Google. Heute kann man fast zusehen, wie Seiten bei Google indiziert werden. Wir müssen uns wohl auch von der Idee verabschieden, jahrelang Trust züchten zu müssen, bis mal brauchbarer Traffic erzeugt werden kann. Ein wirklich grasser Post.

  29. “below half of a percent” würde doch dann aber nur ca. 1200 Klicks ( 0,004 x 300.000 ) ergeben?! …trotzdem ne nette Geschichte!
    Spitzenblog übrigens… gibst ja ordentlich Gas!

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