Japanische Mädchen haben einen virtuellen Freund bei Webkare (Einsamkeit 2.0)

Die 4 virtuellen Jungs aus Webcare.

In Japan gibt es einen neuen Trend namens Webkare. Webkare ist eine Mischung zwischen einem Social Network und einem Dating Simulator und richtet sich ausschließlich an Frauen. In nur 5 Tagen haben sich 10.000 Mitglieder angemeldet und für 3,5 Millionen Seitenaufrufe gesorgt.

Das Konzept ist in Japan ein riesiger Erfolg. Nach der Anmeldung ist Frau man Mitglied eines Social Networks und gleichzeitig Nutzer eines Dating Simulators im Comicstil. Ziel ist es, mit einem der vier Anime Charaktere (den Stars der Seite) zusammen zukommen.

Dating Simulator?

Das ganze klingt verrückt, ist aber eine clevere Idee. Dating Simulatoren sind in Japan schon lange sehr beliebt und ein funktionierendes Konzept in die Online Welt zu portieren ist ein logischer Schritt.

Interaktion

Während der Anmeldung müssen sich die Mädchen für einen der Charaktere entscheiden. Kommunizieren können sie mit ihrem Auserkorenen in kleinen Comic-Sequenzen, die teilweise vertont sind. Wirklich Interaktion mit Text- oder Spracheingabe ist nicht möglich. Sollte etwas wichtiges passieren, kann man das Ereignis im Erinnerungsalbum abspeichern.

Vernetzung der Mitglieder

Die Social Networking Möglichkeiten von Webkare sind relativ beschränkt. Jeder User kann ein Profil anlegen und seinen Vorlieben entsprechend dekorieren. Dazu gibt es ein Forum, Direktmitteilungen und eine Art Micro-Blogging Dienst, ähnlich Twitter.

Weg zum Erfolg

Der Webkare Macher, LinkThink, geben nicht viele Details heraus, was man tun muss um das Herz einer Figur zu erobern aber eine aktive Teilnahme an der Community, inklusive Interaktion mit den (zukünftigen) Freunden anderer Spielerinnen, scheint essentiell zu sein.

Kosten und Finanzierung

Zur Zeit ist die Teilname kostenlos und die Finanzierung läuft über Bannerwerbung und Affiliate-Links. Über spätere Monetarisierungsstrategien kann nur gerätselt werden. Möglich wären:

  • Ein Extended Universe welches die Story in Büchern und Video-Spielen weiterführt.
  • Merchandising
  • Product Placement (schenke deinem Freund ein iPhone um ihn zu beeindrucken)
  • Verkauf virtueller Güter
  • Einen mobile Version für Handys (in Japan durchaus denkbar!)
  • Premium Accounts (mit Werbefreiheit und besonderen Funktionen)

Denkbar ist für die Zukunft natürlich auch eine Version für männliche Teilnehmer.

Als nicht sehr groß schätze ich die Erfolgsaussichten einer Internationalisierung ein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Konzept auch in den USA und Europa einen solchen Erfolg hätte. Wir sind (hoffentlich) noch nicht auf einer solchen Einsamkeit 2.0 Welle angekommen.

Aktuelle sind 52% der Mitglieder japanischen Frauen in den 20er. und 18% in den 30ern.

Bilder

Hier noch ein paar Bilder (via Techcrunch):

Eine Videosequenz aus Webcare.

Ansicht des eigenen Freundes und der Freunde anderer Teilnehmerrinnen.

Der Microblogging-Dienst von Webcare,

10 thoughts on “Japanische Mädchen haben einen virtuellen Freund bei Webkare (Einsamkeit 2.0)

  1. mein Gott… da sind ja nur vier Jungs zur Auswahl, Fortschritt hin oder her, meiner Meinung nach ist die Auswahl so gering, das ich spätestens nach einer Woche aufhören würde..wen man jetzt den Charakter, wie bei Sims, selbst kreieren könnte, wäre das natürlich eine andere Sache :D

  2. Also ich find das schon irgendwie krank, aber gleichzeitig auch super genial. So ein Gamagotschi, nur mit Menschen halt. Irgendwie fände ich das gut, wenn es das auch für Männer geben wird, da würde ich auch gleich mitmachen, vielleicht kann man die Frau dann auch dementsprechend erziehen. Stellt euch das mal vor, huhu :-)

  3. Ist das jetzt der Tamagotschi, nur dass du halt schauen musst, ob du für ein Liebesleben taugst? Naja, jeder wie er meint, aber irgendwie ist das doch ein wenig krass oder? Jetzt stellt euch mal vor, eure Tochter kommt daher und sagt, sie hat einen virtuellen Freund im Web, und dann schaust dir das an, also ich würd mir Sorgen machen, wenn ich ehrlich bin. Weiß nicht, ob ich ihr es nicht verbieten würde, da weiterzu machen. DAs macht mir irgendwie Angst.

  4. Ungeachtet kultureller Unterschiede, die natürlich akzeptiert werden sollten, macht die Globalisierung auch in diesem Bereich keinen Halt vor Grenzen. Wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung, verändert sich unsere sog. zivilisierte Gesellschaft doch kulturübergreifend in immer schnellerer Geschwindigkeit.

    Natürlich kann man Webkare einfach als Spiel sehen wie auch schon andere Plattformen, in denen der Teilnehmer sich eine virtuelle Existenz aufbaut. Warum auch nicht. Es kommt auch immer darauf an, wie ernst man solche Spielereien nimmt. Nicht nur in Japan.

    Andererseits finde ich es etwas bedenklich, wenn Jugendliche nebeneinander sitzen und sich SMS zuschicken, überwiegend mittels Chat und ICQ kommunizieren. Mehr Zeit mit virtuellen Gestalten verbringen als mit “echten” Freunden.
    Und natürlich ist es auch schön zu sagen, die Welt rückt näher zusammen durch das Internet, Grenzen fallen und Entfernungen spielen keine Rolle mehr. Doch ist es nicht der persönliche Auge-in-Auge-Kontakt, das Lernen in Gruppen, das gemeinsame Baumhausbauen oder das Raufen im Sandkasten, was uns auf das soziale Leben in Gemeinschaften vorbereitet?
    Von der Großfamilie über die Kleinfamilie mit höchsten zwei Kindern hin zur eheähnlichen Gemeinschaft. Und dann der kinderlose Single mit virtueller Freundin, den zu Hause der Roboterhund freudig wedelnd begrüßt?
    Vielleicht werden die Skeptiker in 100 Jahren eines besseren belehrt, aber ist diese Entwicklung nicht bedenklich?
    Und Einsamkeit 2.0 sieht man schon Heute in den vielen Pflegeheimen. Vielleicht gibt es da ja irgendwann auch etwas Virtuelles für diese Altersgruppe. Senior Networks oder Palliative Simulators.

    OK: Alles Klischees und pauschalisiert. Doch in vielen Klischees steckt eine reale Tendenz, ein wahrer Kern.

  5. @andreas:
    Is richtig, wir hier verstehen den japanischen Kulturkreis ebensowenig wie die Menschen dort den unseren. So what? Die Jungs dort amüsieren sich auf ihre Weise über unsere Eigenheiten, warum sollten wir nicht ein gewisses amusement aus dem Ihren ziehen? Solange das nicht wirklich feindlich oder abwertend passiert sehe ich darin kein Problem.

    Der Artikel oben ist wirklich sachlich und wenig wertend – würde ein solcher Service bei uns (trotz der anderen Kultur) genauso einschlagen wie in Japan, wo Freundschaften mit virtuellen Wesen traditionell weniger schräg aufgenommen wird, fände ich es in der Tat auch mehr als nur Bedenklich.

  6. Irgendwie ist das krank. Da muss man sich schon fragen, wenn man den aktuellen Trend in unseren Gesellschaften beobachtet, ob wir nicht irgendwann im Chaos versinken. Vielleicht wäre es dann doch die bessere Alternative, wenn der Mensch der künstlichen Intelligenz seinen Platz räumt.

  7. zitat: “Wir sind (hoffentlich) noch nicht auf einer solchen Einsamkeit 2.0 Welle angekommen.”

    Die Aussage, nein der ganze Artikel, zeugt von fehlendem Wissen über die japanische Kultur und noch viel mehr von der klischeehaften deutschen Ignoranz (Pauschalisierungen machen Freude, oder?).

    Mehr hab ich dem nicht hinzuzufügen. Außer vielleicht: Öfter mal über den Tellerrand sehen.

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