Schüler wegen MySpace Profil suspendiert

 Das Logo von MySpace mit dem Slogan

Ein Richter in Pennsylvania (USA) hat entschieden, dass es für eine Schule Ordnung ist zwei Schüler der achten Klasse wegen eines MySpace Profils über ihren Schuldirektor zu suspendieren. Das Urteil besagt, dass die Bürgerrechte der Studenten nicht verletzt wurden, obwohl sie für Verhalten bestraft wurden, welches außerhalb des Schulgeländes stattgefunden hat.

Das ganze hat im März 2007 stattgefunden, als bei MySpace ein Profil von James McGonigle, dem Schulleiter der Blue Mountain Middle School, auftauchte. Sein Name wurde im Profil nicht genannt, dafür aber Beruf und Foto (von der offiziellen Schulwebsite).

Das Profil

Als Interessen wurden unter anderem diese Punkte aufgeführt:

  • In meinem Büro Sex haben.
  • Schüler und Eltern anbaggern.

Zusätzlich gab es Statements wie dieses:

HALLO KINDER [...] Hier ist euer ach so wundervoller, haariger, ausdrucksloser, sexsüchtiger, schwuler, trotteliger, mit einem kurzem Penis geborener DIREKTOR. Ich bin zu MySpace gekommen um die Seelen anderer Schulleiter zu verderben, damit sie genaue wie ich werden.

Und das ist noch eine harmlose Übersetzung!

Die Reaktion

Die zwei Schüler, die für das Profil verantwortlich sind, haben es zu Hause am elterlichen Computer angelegt. Am folgenden Tag sprachen bereits viele Schüler auf dem Schulhof über das Profil. Daraufhin beschlossen die beiden Schüler J.S. und K.L. das Profil auf privat zu setzen. McGonigle war jedoch auch Tage später noch in der Lage sein Profil von einem öffentlichen Computer aus aufzurufen.

Nach einem Gespräch mit J.S. und K.L. suspendierte McGonigle beide Schüler für 10 Tage vom Unterricht. Vorgeworfen werden den Schülern zwei Dinge:

  •  Sie haben falsche Anschuldigungen gegen einen Mitarbeiter der Schule ausgesprochen.
  • Sie haben Copyright Verletzt als sie ein Foto von der Schulwebsite ohne Erlaubnis weiterverwendet haben.

Beide Punkte sind ausdrückliche Verstöße gegen die Schulordnung.

Faire Strafe?

Wie ich finde eine sehr faire Strafe. In der achten Klasse sollte man sich darüber im Klaren sein, dass solche Anschuldigungen kein Spaß sind und dass MySpace etwas anderes ist als ein Treffen hinter verschlossenen Türen. Dass diese Tatsachen J.S. und K.L. nicht klar waren muss man sowohl der Blue Mountain Middle School als auch den Eltern zu Last legen. Mediale Erziehung ist mittlerweile ein Kulturgut geworden und zum erfolgreichen Meistern des Lebens genauso wichtig wie Lesen und Schreiben.

An dieser Stelle möchte ich gerne auf folgendes Video verweisen:

Think Before You Post

Neben der Erkenntnis, dass einmal ins Internet gestellt Inhalte sich meist unserer Kontrolle entziehen – sowohl was die Selektierung der Betrachter als auch ein Entfernen der Inhalte angeht – sollte auch dir Belehrung darüber, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist, ebenso zum zu den Kernkompetenzen im Umgang mit modernen Medien gehören.

Meiner Meinung nach haben J. und K. verdammtes Glück gehabt, dass sie nur für 10 Tage von Unterricht ausgeschlossen wurden (was eine rein symbolische Geste ist!).

Die Eltern von J.S. sahen das aber anders und haben Anzeige erstattet. Gegen den Schuldistrikt, gegen den Leiter der Schulbehörde und gegen McGonigle. Der Anwalt der Familie argumentierte, dass die Disziplinierung eines Schülers für Verhalten, welches außerhalb des Schulgeländes stattgefunden hat, ein Verstoß gegen den ersten Verfassungszusatz und das konstitutionelle Recht auf freie Meinungsäußerung sei.

Richter James Munley sah das zum Glück anders. Beleidigungen und Diffarmierungen haben nichts mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung zu tun.

Das Profil enthält Wörter wie “scheiß”, “Schlampe”, “schwul”, “dumm”, “Schwanz”, “Geizhals” und “Idiot”. Der Text macht kein politisches Statement. Es ist eine reine Attacke auf den Schulleiter. Es stellt ihn als Pädophilen und Sexsüchtigen da.

Auf Proteste weiterer Anwälte, dass die Schule einen Schüler nicht für Vorkommnisse außerhalb des Schulgeländes bestrafen dürfe, erwiderte Richter Munley, dass die Zielgruppe des Profils eindeutig die Schüler waren. Ob man etwas direkt auf dem Schulhof sagt oder über das Internet an alle Schüler kommuniziert mache keinen Unterschied.

Die Kombination von Social Networks, unbeliebten Lehrern und vermeintlicher Anonymität werden in Zukunft mit Sicherheit zu einer Vielzahl ähnlicher Vorkommnisse führen. Auch in Deutschland. Zumindest in den USA stellt dieser Fall jetzt eine rechtliche Grundlage da, was ein Schüler darf und was nicht.

Situation in Deutschland

Für einen Vergleich der rechtlichen Situation mit Deutschland habe ich Dr. Thorsten Graf, einen Spezialist für Online-Recht, um Rat gefragt:

[E]s dürfte keinen Unterschied machen, ob der Lehrer auf dem Schulgelände vis-à-vis oder außerhalb virtuell beleidigt wird. Die Autorität und auch das Persönlichkeitsrecht des Lehrers sind gleichermaßen betroffen und damit auch die geordnete Unterrichtungs- und Erziehungsarbeit. Zumal auch auf dem Schulgelände Computer stehen und die Beleidigung dort abrufbar ist.

Wer Klarheit will wird nicht umhin kommen die Schulgesetze aller 16 deutschen Bundesländer zu durchforsten.

Eine weitere Frage, die sich mir gerade stell, ist diese: Was passiert, wenn man das Profil nicht öffentlich zugänglich macht, es aber über einen Schulcomputer aufgerufen wird? Könnte dieser Zugriff, ebenso wie eine E-Mail am Arbeitsplatz, überwacht werden?

Quelle: ars technica

12 thoughts on “Schüler wegen MySpace Profil suspendiert

  1. Ach ich weis nicht ob das so richtig war! Man sollte doch eher an dem generellen Verständniss arbeiten zwischen richtig und falsch unterscheiden zu können! Die zeiten haben sich geändert und die grenze hat sich verzogen! Kids deshalb mit Schulverweisen zu bestrafen finde ich nur bedingt korrekt.

  2. Ja viren sind totll aso leute vertreiben daamit ihre Zeit anderen zu schaden
    kann mir mal jamand sagen wozu die gut sind ruinieren Festplatten und anderes!!!

  3. so was passiert halt in der heutigen Zeit des Internets…wenn man wegen jeder Sache Leute von der Schule schmeißen würde, dann gäbs ja nur noch verweise…

  4. Ich finde es auch sehr gut, aber was genau haben Schüler denn vom suspendiert werden? Die müssten doch eher Nachsitzen oder Strafarbeit machen. Schulstunden verpassen ist ja eher eine Belohnung und man hat noch mehr Zeit, sich weiteren Unsinn einfallen zu lassen.

    und Markus kann ich auch nur zustimmen, die Respektlosigkeit nimmt zu. Eine Massregelung kann in diesem Fall wirklich nicht schaden.

  5. Das ist echt schokierend! wo bleibt die erziehung? was fällt den schülern ein, ein profil von einem fremden mensch zu erstellen? das ist echt unglaublich. 10 tage is ja gar nichts, da wäre ich noch für eine längere suspension.. und die eltern sollten sich schämen!

  6. Also ich finde das mehr als gerecht. Ich mein, ganz ehrlich, heutzutage glauben ja wirklich die Schüler, sie können mit den Lehrern machen was sie wollen. Es ist überhaupt kein Respekt mehr da. Es sollten eindeutig mehr Grenzen gesetzt werden, auch vom ELTERNHAUS!!!!

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