Belkin kauft Produktbewertungen

Das Logo von Belkin mit den passenden Bewertungen von Amazon.

Belkin, ein US Hersteller von Computerperipherie, wurde dabei ertappt Produktbewertung für eigene Produkte zu manipulieren.

Auf Amazon Mechanical Turk, einer Plattform für die Vermittlung von kleinen Aufgaben (so eine Art MyHammer für Mini-Jobs) hat ein Mike Bayard folgendes Angebot gemacht:

 Schreibe eine 100% positive Produktbewertung

  •  Schreibe mit guter Grammatik und nutze US Englisch.
  • Gib eine 100% positive Bewertung ab.
  • Der Eintrag sollte zwischen 25 und 50 Wörter lang sein.
  • Tu so als würdest du das Produkt besitzen und nutzen.
  • Erzähl eine Geschichte warum du es gekauft hast oder wie du es nutzt.
  • Dank der Website für dieses gute Angebot.
  • Markiere alle negativen Bewertungen als “nicht nützlich”.

Bezahlung: 65 Dollar Cent.

Es folgt ein Link zu den Produktseiten auf Amazon.com, NewEgg, Buy.com und anderen Shopping Portalen mit Bewertungsfunktion.

Als wäre dieses Vorgehen nicht schon peinlich und dilettantisch genug kommt es noch dicker. Mike Bayard ist laut seinem, mitlerweile gelöschten, LinkedIn Profil der Business Development Representative bei Belkin und zuständig für den Vertrieb von Belkin Produkten via Amazon & Co.

Warum hat Balkin so gehandelt?

Der Belkin USB Hub mit Adapter.Schaut man sich die Amazon Produktseite für den Belkin F5U301, einem kabellosen USB-Hub, an bekommt man 19 Bewertungen angezeigt, 17 davon vernichtend mit nur einem von fünf Sternen. Da kommt man natürlich schnell auf die Idee mit gefakten Bewertungen nachzuhelfen, wie es zum Beispiel in der Tourismus Branche schon lange gang und gäbe ist. Aber Leute für einen solchen Job öffentlich zu suchen und das auch noch über einen Dienst von Amazon ist mehr als dämlich.

Wie hätten sie es besser machen sollen?

Wenn man vor hat User Reviews zu manipulieren sollte man sich informieren ob das legal ist und es dann sein lassen selber machen und  niemandem davon erzählen. Dank Free-Mail Anbietern, dynamischen IP Adressen, Internet-Cafes, offenen W-Lans oder Diensten wie Tor ist es nun wirklich nicht schwer sich selber ein paar Dutzend Fake-Accounts anzulegen und die Gefahr erwischt zu werden liegt, wenn man es richtig macht, bei fast Null.

Was sagt Belkin dazu?

Von offizieller Seite heißt es, dass es sich bei dieser Manipulation um die erste derartige Aktion von Belkin gehandelt haben soll aber ein anonymer Mitarbeiter gab zu, dass

der Großteil der Belkin Mitarbeiter Produkte der Konkurrenz erworben hat, obwohl sie ähnliche Geräte aus dem eigenen Haus für umsonst bekommen hätten. So schlecht war die Qualität vieler Produkte.

Weiter heißt es:

Auch wenn es nie in einem offiziellen Dokument erwähnt wurde, ist es bei Belkin seit Jahren üblich, dass die Mitarbeiter dazu angehalten werden alles zu tun was nötig ist um gute Bewertungen und Pressemeldungen zu bekommen

Gemeint sind damit unter anderem folgenden Aktivitäten:

  • Bloggern wurden Produkte mit manipulierter Firmware geschickt, die bekannte Bugs versteckt hat.
  • Hardware Zertifikate (speziell Apple und MSFT) wurden ohne Genehmigung verwendet.
  • Testresultate wurden manipuliert.
  • Bei Amazon und anderen Diensten wurde eigene Produkte gut und Konkurrenzprodukte schlecht bewertet.

Und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen wurden auch noch perfide Feiern zur Ehrung der manipulativsten Mitarbeiter angehalten:

 Es gab monatliche Auszeichnungen für die Abteilung, die die meisten positiven Bewertungen organisiert hat. Das Konzept war einfach: Wenn ein Nutzer durch unsere Reviews und Tests getäuscht wurde ist es sehr unwahrscheinlich, dass er das Produkt nach dem Kauf wieder zurückgibt.

Die Story hat als erstes The Daily Background aufgedeckt, Gizmodo hat mit dem anonymen Mitarbeiter gesprochen und der SEO Praktikant hat mich auf die Story aufmerksam gemacht. Danke Benjamin!

18 thoughts on “Belkin kauft Produktbewertungen

  1. In der Regel lese ich sowieso nur die schlechten Produktbewertungen. Da ist man schon um einiges schlauer, was das Produkt anbelangt. Häufen sich dann die Anzahl der schlechten Bewertungen dann lasse ich sowieso schon die Finger von dem Produkt.

  2. Gerade hierdrauf gestoßen, da ich nach Belkin und einem Produkt gesucht habe was noch bei mir daheim liegen habe. Ich finde diese Art und auch die Einstellung wie manche dieses sehen bei weitem nicht iO. Ich finde es auch gut das einige Protale bei Abgabe eine Bewertung die Rechnungsnummer geben lassen + Namen. So werden schon mal die abgeschreckt welche hier nicht gekauft haben. Wie soll man sich denn dann noch zb. beim Urlaub noch verlassen können das es dort gut ist?

  3. Mal ehrlich.. wer sowas nicht macht ist blöd. Ist doch genauso wie mit Linkkauf.. wer das nicht macht steht auch hinten an. Klar, keiner redet drüber und wenns rauskommt schreien alle rum. “Ohh wie kann XY sowas nur machen, wir würden das nie tun…”

    Genauso wie auf MS wegen Monopolausnutzung rumgehauen wird. Klar machen die das.. wären auch schön blöd wenn nicht, immerhin gibts so mehr Umsatz und hoffentlich auch mehr Gewinn.

    Thats fukin Life

  4. ..ich war grad in spanien, hatte über einen anbieter gebucht und das hotel wollte unbedingt eine bewertung haben, ich hab mich dann durchgeboxt um die bewertung machen zu können, (ich hatte nicht persönlich gebucht und musste die buchung erstmal für mich “claimen” (lol) )um eine bewertung zu schreiben) der hotelbesitzer is nu total happy weil nämlich sonst oft keiner bock hat in dem extrem hackeligen system des anbieters eine bewertung abzugeben. hat ihn zwei bier -an mich- gekostet ..ist das schon manipulation? egal jetzt hatter einen bewertungsstern mehr.

  5. Wie mein Vorredner schon sagt sind Produktbewertungen immer mit vorsicht zu genießen. Klar sind sie grundsätzlich sehr hilfreich und die Meinung anderer Kunden/Käufer kann entscheidend zum Kauf beitragen, aber letztlich sind die meisten Shops viel zu großzügig im Umgang mit der Wertungsvergabe. Fraglich ist z.B. warum bei Amazon nicht einfach nur jeder der ein Produkt auch wirklich gekauft hat, eine Bewertung dafür abgeben darf. Bei der Menge an Verkäufen bei Amazon dürfte das kein wirkliches Problem darstellen.

    Zu Belkin selbst fällt einem in der Tat wenig ein – einfach nur dumm!

  6. Hm, so eine Vorgehensweise ist natürlich mehr als Fragwürdig, aber längst nicht nur auf Amazon beschränkt. Von daher sollte man bei solchen “Produktbewertungen” immer auch etwas Kritik walten lassen und sich nicht nur auf eine Quelle fixieren.

  7. Gibt es eigentlich Nutzer die Produkt Bewertungen im Internet noch trauen? Ich hoffe nicht, da Informationen aus anonymer Quelle in der Regel wertlos sind.

  8. Das wird auf Amazon aber kein Einzelfall sein. Mir kommen da 80% der Bewertungen spanisch vor, wenn ich mir manchmal irgendwelche Produkte kaufe.. egal ob Bücher, CDs oder Elektronik..

  9. Selbst die Vorgaben an die Texter sind nicht gerade durchdacht… mit diesen Angaben würden Bewertungen richtig schön nach Eigenlob stinken…
    Qualität der Produkte schlecht?
    Online Marketing schlecht?
    Was können die denn? ;-)

  10. Was soll die Aufregung? Es lügen doch alle, angefangen bei A wie Acker… Erst hieß es, die Bank stehe über allen Betteleien, jetzt sollen wir Steuerzahler…

  11. Das so ein Vorgehen bei vielen Firmen immer normaler wird ist auch kein Wunder. Wie oben schon gesagt, bedeuten diese Bewertungen für amazon & co Content und der ist im Web einfach top.

  12. Was soll ich sagen.. nichts neues oder?
    Ich gebe zu, auch ich habe schon einmal für einen Online Versand während meiner Praktikumszeit Bewertungen gefälscht.

    Ich war jung und brauchte das Geld… naja die Beschäftigung.
    Aber mal im Ernst, was will man als Mitarbeiter sagen wenn so ein Aufruf kommt? Nichts.. man tut es einfach

    Dennoch eine Sauerei.. ich behaupte mal.. ich würde es nie wieder machen.. aber das ist situationsbedingt.. wenn Chef sagt…

  13. Eine wirklich unfassbare Kiste. Manipulationen sind bekannt. Aber bei diesem Ausmaß will man zunächst nur an eine Ente glauben. Nun ja, jetzt ist die Belkin-”Presearbeit” der letzten Jahre hübsch atomisiert worden…

  14. Die Manipulation von Rezensionen, ob auf Amazon oder anderswo, ist ja gang und gebe, sowohl von großen Buchverlagen als auch von BoD-Autoren. Aber auffälliger als hier kann man es ja wirklich nicht machen.

    @Christian: Amazon hat nur begrenztes Interesse daran, nur solche Rezensionen zuzulassen, die ganz sicher echt sind. Rezensionen bedeuten für Amazon in erster Linie Content, und der muss nicht echt sein, sondern nur glaubwürdig. Amazon reagiert afaik nur, wenn Manipulationen öffentlich werden, weil dann die Glaubwürdigkeit der Rezensionen gefährdet ist. Ich erinnere mich an einen Fall, als Amazon einige BoD-Bücher mit manipulierten Bewertungen rausgenommen hat, nachdem Blogs darüber berichtet hatten; nach einigen Wochen, als die Sache runtergekocht war, waren die Bücher wieder drin (grottenschlechte Bücher übrigens).

  15. Oh ja, ich habe letztens meinem Bruder sein neues Belkin-Teil installieren dürfen. Was schlimmeres habe ich noch nie erlebt. Sowas von umständlich…das geht schon gar nicht. Das geilste aber war: Nach der Anleitung klappte es nicht. Aber genau entgegen der Anleitung lief das Teil zumindest einigermaßen. Da bleib ich lieber bei Linksys.

    Tja und die Sache mit den Bewertungen…Soviel zum User generated Content… Wo gibts den schon. Die manipulieren doch alle.

  16. Tja, das gehört wohl eindeutig in die Schublade “Blöd gelaufen”. Ich bin ja eh der Meinung, dass man nur über solche Produkte eine Meinung veröffentlichen darf, die man erst vor kurzem bei Amazon gekauft hat. Müsste halt irgendwie abgeglichen werden, technisch bestimmt kein Problem.

    Da würden dann zwar einige Bewertungen wegfallen, dafür macht man es Betrügern schon einmal schwerer.

    Persönlich schaue ich mir auch immer die Bewertungen an, wenn ich mir ein Produkt aus einem Bereich kaufen will, bei dem ich nicht so auf dem laufenden bin. Dabei fallen Produkte mit keinen, oder nur wenigen Bewertungen sofort durch, sprich diese schaue ich mir erst gar nicht an.

  17. Ein solches Vorgehen – wenngleich sicherlich nicht so doof umgesetzt wie in diesem Fall – inzwischen gang und gebe. Mit den heutigen Rezensionssystemen und -konzepten steht der systematischen Manipulation doch nichts mehr im Wege.

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