50.000 Dollar oder der teuerste Tweet der Welt

50.000 US-Dollar. Um diesen Betrag geht es bei der Klage des Chicagoer Immobilienunternehmens Horizon Group Management LLC gegen eine twitternde Ex-Mieterin.

Der Tweet

Am 12. Mai hat Amanda Bonne alias @abonnen (mitlerweile deaktiviert) den folgenden Tweet abgesetzt:

Wer hat gesagt, es sei schlecht für dich in einem schimmeligen Apartment zu schlafen? Horizon glaubt, es sei in Ordnung.

Screenshot des Tweets. (via mashable)

Die Reaktion

Das ist natürlich keine Aussage, die irgendein Vermieter gerne über sich in der Öffentlichkeit sieht. Auf den ersten Blick war ich positiv überrascht davon, dass auch Firmen, die sich mit so nicht-internetaffinen Themen wie der Vermietung von über 1.500 Appartements beschäftigen, einen negativen Tweet über sich selbst finden. Ganz und gar nicht positiv ist natürlich die Reaktion.

Die Ausgangssituation

abonnens hatte zum Zeitpunkt des Tweets etwa 20 Follower und war alles andere als eine aktive Twittererin. Wenn unter diesen 20 Leuten nicht gerade viele Immobilienmakler aus Chicago waren, hat der Tweet niemanden interessiert.

Der Twitter Account @abonnen.

Der Twitter Account @abonnen. (via mashable)

Das Ergebnis

Ok, schauen wir mal auf die Fakten aus Sicht von Horizon:

  • Der Tweet ist gelöscht.
  • Horizon wird an der Geschichte maximal 50.000 Dollar verdienen.
  • Diverse Medien (u.a. Chicago Sun-Times, BBC, Mashable) haben über die Aktion berichtet. Einige Artikel wurden mehr als 2.000 mal via Twitter promotet und der Originaltweet konnte aus dem Google Cache gerettet werden. Man sagt ja häufig, es gäbe keine schlechte PR, aber im Gegensatz zu C-Promis gilt das für Unternehmen nicht unbedingt.

Was hätten sie besser machen sollen?

Beim Thema Online Reputation Management gibt es meiner Meinung nach drei wichtige Phasen.

1. Visibility

Damit meine ich permanente Sichtbarkeit in den angemessenen Medien. Für einen Vermieter wird sich eine MySpace-Page oder ähnliches wohl kaum lohnen und die Anzahl der twitternden Mieter dürfte so gering sein, dass es sich nicht lohnt aktuelle News auch über Twitter zu verbreiten. Daher ist Horizon hier kein Vorwurf zu machen. Was passieren kann, wenn man sich zwanghaft in die schöne bunte Web 2.0 Welt drängen will hat Vodafone in den letzten Wochen eindrucksvoll bewiesen.

2. Monitoring

Das Aggregieren, Filtern und auswerten von Inhalten aus dem Netz scheint ja in diesem Fall geklappt zu haben.

3. Engagement

Hier hat Horizon zwei große Fehler begangen:

  1. Eine Reaktion auf negative Meinungen im Internet ist optional, nicht verpflichtend. In diesem Fall hätte man die Sache wegen Belanglosigkeit einfach ignorieren sollen.
  2. Eine Klage ist die beste Möglichkeit sich in der Web 2.0 Community unbeliebt zu machen.

Dazu einfach mal ein Zitat vom Horizon Sprecher Jeffrey Michael:

“Die Aussagen sind offensichtlich falsch und es ist unsere Absicht das zu beweisen.” [...] Bonnen wurde vor Einreichen der Klage nicht kontaktiert oder gebeten den Tweet zu entfernen. “Wir sind eine erst verklagen, dann Fragen Organisation”.

Die Folgen

Interessant ist natürlich auch, wie die Sache vor dem Cook County Circuit Court ausgeht. Unabhängig davon, dass ich Unternehmen in 99% aller Fälle davon abraten würde User wegen negativen Äußerungen im Internet zu verklagen, könnte diese Urteil eine große Signalwirkung in den USA haben.

Bilder via mashable.

7 thoughts on “50.000 Dollar oder der teuerste Tweet der Welt

  1. Für USA Verhältnisse sind 50.00 ja noch ziemliche Peanuts, ein guter Anwalt hätte da gleich ne Millionen Klage daraus gebastelt :-)

  2. Das ist ja echt der Hit, weiß man eigentlich inzwischen, wie die Geschichte ausgegangen ist. Ich finde das echt maßlos übertrieben, wie sich dieses Immobilienunternehmen verhält

  3. Unglaublich 50.000 dollar für nur ein Tweet. Die Welt ist mittlerweile sehr verrückt. Wo führt dieser Wahnsinn noch hin.
    Einfach nur unglaublich.

  4. 50.0000 Dolar für einen Tweet, dass ist krass; die Summe steht doch gar nicht im Verhältnis.

    Und ich kann meinen zwei Vorrednern nur zustimmen, dass ist lächerlich und auch noch von einem Pressesprecher. Ich glaube da hat jemand das Wort PR nicht richtig interpretiert ;)

  5. Zitat: “Wir sind eine erst verklagen, dann Fragen Organisation”.

    das Zitat stammt sogar vom Pressesprecher des Unternehmens ??!!
    - vielleicht sollte er sich doch lieber noch ein paar Jahre mit Kaffeekochen beschäftigen.

  6. Zitat: “Wir sind eine erst verklagen, dann Fragen Organisation”.

    Das hat wirklich ein Mitarbeiter dieses Unternehmens gesagt?
    Wahnsinn!

    Kopfschüttelnde Grüße,
    Sascha

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