Behörden, Google & soziale Netzwerke

Das Logo des Internal Revenue Service (kurz IRS).

Steuerhinterziehung ist in den USA, genau wie hierzulande, ein großes Problem. In den Staaten hat die Steuerbehörde (IRS) ein neues Mittel zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit entdeckt: Das Internet!

Neben Google benutzen die Fahnder auch Social Media Portale um Steuersündern auf die Schliche zu kommen.  Die Behörde sucht nach Informationen zu Umzügen, beruflichen Erfolgen und finanzieller Angeberei. Dabei werden die Fahnder regelmäßig fündig:

Welche Beispiele gibt es?

In Minnesota ist ein Steuerhinterzieher ins Netz gegangen, nachdem er auf MySpace angekündigt hatte wieder in seine Heimatstadt zu ziehen.

In Nebraska wurden von einem DJ $ 2.000 für eine große öffentliche Party eingesammelt. Er hatte bei MySpace für seinen dortigen Auftritt geworben, diesen aber nicht angemeldet.

In Kalifornien führte eine Suche nach “Vorname Nachname online” einen Ermittler zu einem lokalen Forum, in dem über den Verbleib des Segelshops des flüchtigen Steuersünders gesprochen wurden. Dank der Antwort eines Forenmitglieds “Oh, he moved across the bay.” konnte der Mann aufgespürt werden und musste eine vierstellige Nachzahlung leisten.

Wird die Privatsphäre missachtet?

Bei ihrer Suche ist die IRS gewissen Restriktionen unterworfen. So darf sie nur Informationen verwenden, die öffentlich zugänglich sind. Die Ermittlern dürfen keine Fakeaccount auf sozialen Netzwerken wie Facebook anlegen und Personen befreunden um an private Informationen zu gelangen. Darum ist MySpace das favorisierte Netzwerk der Behörde. Hier ist die Standardeinstellung für Profile öffentlich, während der Standard bei Facebook privat ist.

Wie verbreitet ist das Online Data Minding?

Aktuell setzen nur wenige Bundesstaaten auf Data Mining im Internet. Vor dem Hintergrund des gigantischen Defizits im nächsten Haushalt und dem rasant wachsenden Schuldenberg der USA kann man wohl davon ausgehen, dass die Regierung ihre Bemühungen zum Aufspüren von Steuersündern intensivieren wird. Problematisch ist hierbei, dass in den Behörden vieler Staaten soziale Netzwerke komplett gesperrt werden um die Mitarbeiter nicht von der Arbeit abzulenken.

Wann schaut die Behörde ins Internet?

Die ersten Anhaltspunkte einer IRS Untersuchung sind immer Informationen über Bankgeschäfte, Anstellung, angemeldete Fahrzeuge und natürliche Steuerbescheide des Bürgers. Jim Eads, Direktor der Federation of Tax Administrators sagt

Diese neuen Möglichkeiten sind oft viel effektiver als unsere bisherigen, wie das Lesen der Lokalzeitung oder das Umhören in Friseurgeschäften und Kirchentreffen.

Ein großes Problem der IRS ist das Aufspüren von Personen. Hierbei hilft, laut dem Ermittler Steven Schroeder aus Nebraska, Google. Kürzlich erst hat einer seiner Mitarbeiter $30.000 von einem flüchtigen Steuersünder einsammeln können weil dieser über Google als Händler einer großen Firma gelistet war. Erst wenn eine Googlesuche nicht erfolgreich war, wendet sich die Behörde an soziale Netzwerke und Chats.

Auch Firmen betroffen

Natürlich richten sich die Online Recherchen nicht nur gegen Personen. So ist es einer Firma in Minnesota zum Verhängnis geworden, dass sie auf ihrer Website verkündet hat, Cremes für alle Teilnehmer eines Bodybuilding Events zu sponsorn. Gleichzeitig hatte man der Steuerbehörde vorgeweint absolut blank zu sein.

Quellen

16 thoughts on “Behörden, Google & soziale Netzwerke

  1. Ich verstehe die “Aufregung” nicht. Wenn ich in der Generation 2.0 durchweg die Einstellung lese “ach lass doch, ist doch nur Google” und “ist doch nicht so schlimm” dann ist es mindestens genauso legitim, wenn Unternehmen, Personaldienstleister oder eben auch Behörden diese Netzwerke nutzen. Inkassobüros machen das z.B. auch.

    Warum sollten Behörden viel Geld ausgeben, wenn die Dinge manchmal öffentlich zu haben sind?

  2. Kai es gibt genug Menschen, die sehr sorgsam damit umgehen, welche Informationen sie über sich ins Netz stellen und welche nicht. Natürlich kann man dann Dienste wie Facebook nur eingeschränkt nutzen. Einen Zwang, alles private auch öffentlich zu teilen, gibt es in unserer Gesellschaft aber (noch) nicht.

  3. Es ist zwar richtig, dass Steuerhinterzieher gejagt und bestraft werden. Trotzdem macht einen das doch sehr nachdenklich, wie öffentlich unser Privatleben mittlerweile ist.

  4. Ich muss “Kritiker” widersprechen. Ich bin der Meinung, dass Steuerhinterziehung ein Verbrechen ist, dass es aufzuklären gilt. Und wenn man nun einmal mit seinem Erfolg angeben muss und noch nicht verstanden hat, wie man seine Profile vor dem Zugriff Dritter schützt, dann ist man doch selber schuld. Das ist dann auch kein Eingriff in die Privatsphäre, sonder eher das nutzen von öffentlich gemachten Daten. Wenn ich an meine Hauswand schreibe, dass ich so und so viel hunderte Dollar verdient habe ohne sie zu versteuern, dann muss ich mich auch nicht wundern, wenn irgendwann mal jemand vor der Tür steht…

  5. Auf der Suche nach Steuersündern, sollten auch diese Möglichkeiten genutzt werden. Nur sollten gewonnene Daten, nicht dauerhaft gespeichert werden.

  6. Jeder Mensch muss für sich abwägen welche Informationen dieser im Internet hinterlassen will. Gibt er Daten preis muss dieser auch mit den Konsequenzen oder gar mit Missbrauch durch Kriminelle rechnen. Das nun auch die Behörden das Internet vermehrt zur Recherche verwenden ist für mich nur eine Reaktion auf eine weltweite Entwicklung (das Internet).

  7. Auf die Privatsphäre wird da natürlich nich so drauf geachtet..
    Viele schreiben sehr persönliche sachen rein..
    Aber es bleibt jedem selbst überlassen..
    :-)
    Anna

  8. Guter und informatiever Artikel.
    Ich finde es außerdem völlig legitim, dass hierbei so vorgegangen wird.
    Die Daten sind ja öffentlich zugänglich und der vermeintliche Steuerhinterzieher hat sich ja schuldig gemacht.
    Außerdem ist diese Variante der Steuerfahndung sicherlich günstiger und rentabler als gleich mit 20 Mann die Firma zu stürmen und alles eintüten, was man brauchen kann.

  9. Grundsätzlich sollte sich jeder im Klaren sein, daß alle digitalen Informationen ohne großen Aufwand gespeichert und ausgewertet werden können. Damit muß man sich immer die Frage stellen, ob der Content, den man von sich und anderen im Internet bereit stellt auch in zehn Jahren noch zu einem paßt, oder ob ob man sich evtl. seiner digitalen Meinungsäußerung enthält :-)

  10. Ist doch nix Neues: Schon vor 30 Jahren haben deutsche Fahnder Anzeigenkunden in Fachzeitschriften zu teuren Sportarten unter die Lupe genommen… Längst durchforsten sie auch das Internet. In Italien stehen die Herren dann plötzlich vor der Tür, mit Computer-Spezialisten, die auch sog. gelöschte E-Mails ausrucken (ja, den Drucker bringen sie auch gleich mit!!!

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  12. @Kritiker: Die Informationen im Internet sind öffentlich – warum sollten sie nicht genutzt werden? Steuerhinterziehung ist schließlich illegal (im Prinzip Diebstahl).

  13. So gut ich Kontrolle auch finde, bin ich der Meinung, dass manche Maßnahmen einfach zu weit gehen. Die Durchforstung von Social Networks ist ein dieser Methoden, die ich persönlich für unmöglich halte. Haben die Behörden keine anderen Wege, ihre Sünder nachzuverfolgen? Meines Erachtens nach ist das (auch wenn Restriktionen beachtet werden müssen) ein Eingriff in die Privatsphäre.

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