Online Reputation für Autoren

Online Reputation für Autoren

Auch wenn viele Blogger es nicht wahrhaben wollen: Der beste Weg, sich selbst als Experte zu etablieren, ist immer noch ein Buch zu schreiben. Dieser These nachgehend habe ich Thomas Kilian, den Autor des Buches Der Igel-Faktor, erfolgreiche Neukundengewinnung im Internet, interviewt und ihm einige Fragen zum Zusammenhang zwischen Reputation und Autorendasein gestellt.

Thomas Kilian ist Geschäftsführer von Thoxan und Autor des Igel-Faktors.

Thomas Kilian ist Geschäftsführer von Thoxan und Autor des Igel-Faktors.

- Interview Anfang -

Hallo Thomas. Magst du dich einmal für meine Leser vorstellen, bevor wir zum eigentlichen Thema kommen?

Gerne, Malte – ich bin Thomas Kilian, 32 Jahre, seit zehn Jahren glücklich verheiratet, bislang keine Kinder, aber einen Golden Retriever. Ich leite die Internetagentur Thoxan GmbH in Löhne (Ostwestfalen) und bin zum Online-Marketing gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Eigentlich wollte ich mal Journalist werden, habe Germanistik und Amerikanistik studiert (Magister-Abschluss), aber schon während des Studiums angefangen, Websites zu bauen. Zunehmend wurden auch die Themen Suchmaschinen-Optimierung und Social Media wichtig, so dass ich 2009 ein Buch über die Neukunden-Gewinnung im Internet geschrieben habe. Zurzeit gibt es wieder einen Umbruch bei uns, wir steigen als Agentur aktiv in den Online-Handel ein und haben vor kurzem mit Filz-Geschenke.de einen Online-Shop für moderne Filz-Produkte gestartet.

Du hast also im Herbst 2009 das Buch “Der Igel Faktor” veröffentlicht. Wie kam es dazu? Und ganz wichtig: Worum geht es überhaupt und für wen ist das Buch interessant?

Dass ich mal ein Buch schreiben würde, hätte ich früher nicht gedacht. Meine Magisterarbeit hat mir ehrlich gesagt schon gereicht. Doch Anfang 2008 ist der Verlagsleiter von BusinessVillage auf mich zugekommen, weil er einiges in meinem Weblog gelesen hatte und mich für das Thema Business-Lektür für die Badewanne. Ein Zitat von Thomas Kilian.kompetent hielt. Nach einigen Gesprächen und der ersten inhaltlichen Konzeption stand für mich dann die Entscheidung fest, den Igel zu Papier zu bringen. Kurz gesagt handelt es sich um “Business-Lektüre für die Badewanne”; es war von Anfang an für mich wichtig, leicht verständlich über Möglichkeiten zur Akquise im WWW zu schreiben. Anhand des Märchens vom Hasen und vom Igel habe ich beschrieben, wie sich das Internet zur Kundengewinnung nutzen lässt. Wer sich an den Wettlauf der Tiere erinnert, der weiß vielleicht noch, dass der Igel mit seiner pfiffigen Idee am Ende die Nase vorn hatte. Ebenso können auch kleine und mittelständische Unternehmen mit der richtigen Strategie im Netz erfolgreich sein. Geschrieben ist das Buch für Marketing-Verantwortliche, Unternehmer, Einzelkämpfer und alle diejenigen, die das Potenzial ihrer Website noch nicht erkannt haben oder noch nicht voll ausschöpfen. Dabei gehe ich neben dem Thema Webdesign auch stark auf Suchmaschinen-Optimierung und die Nutzung der Web 2.0-Kanäle ein.

Und wie genau ist das Buch entstanden? Hattest du von Anfang an eine Struktur im Kopf und hast das Werk in einem Aufwasch runtergeschrieben oder sind die Kapitel erst nach und nach entstanden, weil du gemerkt hast, dass du zu dieser oder jener Sache noch etwas ausführlicher werden möchtest?

Der Aufhänger mit dem Märchen stand schon sehr früh fest. Daraus ergab sich auch die Kapitelstruktur – wie mit den 73 Runden beim Wettlauf auf dem Steckrübenfeld gibt es auch im Igel-Faktor 73 kurze Impulse zu verschiedenen Aspekten, so dass sich das Buch in kleinen Häppchen lesen lässt. Doch die Reihenfolge der Kapitel, die einzelnen Bestandteile habe ich mehrfach verworfen, überarbeitet, neu ausgerichtet – das ließ sich einfach nicht in einem Rutsch runterschreiben. Insgesamt habe ich fürs Schreiben, Überarbeiten und noch mal Überarbeiten fast ein Jahr gebraucht.

Wie hast du das Schreiben mit deinem restlichen Arbeitsalltag in Einklang gebracht?

Gar nicht bzw. nur sehr schwer. Ich bin im Herbst 2008 und im Frühjahr 2009 für jeweils zwei Wochen nach Dänemark gefahren, Ferienhaus mit Internetanschluss und habe dort die Texte geschrieben bzw. im Frühjahr noch mal große Teile überarbeitet. Außerdem habe ich etliche Wochenenden und Nachtschichten damit verbracht, das Buch “rund zu bekommen”. War ein langer Prozess, hat sich aber auch gelohnt.

Man hört immer wieder, dass man vom Autorendasein nur in den seltensten Fällen reich wird. Viele Autoren können von ihrer Tätigkeit kaum leben. War der Igel Faktor für dich in rein finanzieller Hinsicht ein Erfolg? Irgendwie muss die ins Buch geflossene Zeit doch kompensiert werden.

Finanziell hat es sich direkt nicht gelohnt. Ich habe selbst jede Menge Bücher abgenommen, weil ich sie an Kunden und Geschäftspartner verschickt habe. Insgesamt habe ich wahrscheinlich weniger über Buchverkäufe verdient als ich durch Eigenexemplare ausgegeben habe. Doch darum ging es mir nie – die positiven Nebeneffekte machen so ein Buch interessant. Über die Aufträge, die ich als “Buchautor” erhalten habe und die Möglichkeiten zur Selbstvermarktung habe ich sicher deutlich mehr verdient als mit dem Buch ansich.

Du sprachst schon den Reputationsgewinn durch das Buch an. Ist es tatsächlich so, dass Menschen sich von einem Buch mehr beeindrucken lassen als von kostenlosen Inhalte, wie man sie z.B. in deinem Blog findet?

Ein gedrucktes Buch macht schon einen schlanken Fuß und wird – meiner Erfahrung nach – viel höher bewertet als eine reine Online-Veröffentlichung. Ich hatte über eine Blogparade schon mal ein E-Book veröffentlicht und auch schon mehrere Gastbeiträge in anderen Publikationen, doch erst mit dem richtigen, eigenen Buch, das jemand durchblättern, lesen und ins Regel stellen kann, kannst Du Dich auch wirklich “Buchautor” nennen.

Wie hat sich die gesteigerte Reputation auf dein Alltagsgeschäft ausgewirkt? Kannst du von konkreten Positiverlebnissen berichten.

Ja klar, zunächst gab es viele externe Berichte (in anderen Blogs, Internet-Plattformen, in der regionalen Presse etc.) – ein Agenturleiter, der ein Buch schreibt, ist anscheinend schon noch etwas besonderes. Es haben mich natürlich viele Kunden darauf angesprochen und einigen habe ich das Buch geschenkt und dadurch einen positiven Eindruck hinterlassen. Auch die Möglichkeiten, einen Vortrag zu halten oder bei einer Veranstaltung zu referieren, sind als Buchautor bedeutend einfacher – Du hast einen guten Aufhänger und die Leute halten Dich schon für einen Experten, nur weil Du Dein Wissen auf 256 Seiten mit der Welt teilst. Wer es nicht glaubt, sollte es mal ausprobieren.
Nicht zuletzt habe ich auch einige Kunden gewonnen, die vorher unschlüssig waren und nachdem Sie mein Buch gelesen haben, einen konkreten Auftrag aussprechen konnten. Es ist ohnehin viel einfacher, mit Unternehmen zu arbeiten, die ein gewisses Grundverständnis vom Online-Marketing haben und dem Thema nicht komplett ablehnend gegenüberstehen. Hier baut der Igel-Faktor so manche Brücke und dient damit auch als Geschenk für Media-Muffel. Natürlich gehören einige Buch-Leser heute zu den Kunden unserer Agentur – schließlich konnten sie sich mit mir, meiner Denke und meinen Ideen so ausführlich beschäftigen, wie es kein Erstkundengespräch leisten kann.

Dein Buch wurde auf Amazon zwölfmal mit 5 von 5 Sternen bewertet. Hast du auch mal negatives Feedback bekommen und wenn ja, wie bist du damit umgegangen?

Die Bewertungen auf Amazon.de sind durchweg positiv. Quelle: Amazon.de

Die Bewertungen auf Amazon.de sind durchweg positiv. Quelle: Amazon.de

Die vielen positiven Feedbacks haben mich natürlich sehr gefreut. Selbstverständlich hat der Igel-Faktor auch Nachteile: Es ist kein Fachbuch im eigentlichen Sinne, weil es viele Themen nur anreißt, einen groben Überblick gibt und nicht in die Tiefe geht. Doch das war ja auch bewusst so geschrieben, so dass ich mit diesem Feedback sehr gut leben kann. Was mich besonders freut ist, dass auch viele Branchenkollegen so positiv vom Buch berichten, die ja schon sehr tief in der Materie stecken. Auch für sie gab es immer mal neue Aspekte oder zumindest wollten sie das Buch ihren Kunden empfehlen, damit diese das Thema Online-Marketing besser verstehen. Damit habe ich mein Ziel absolut erreicht und würde den Igel auch nach zwei Jahren (obwohl in Sachen Social Media eine ganze Menge passiert ist), immer noch als Lektüre empfehlen.

Als wie wichtig würdest du den Verlag für den Erfolg einschätzen? Hast du vielleicht ein paar Tipps für jemanden, der sich nach diesem Interview überlegt, “hey ich könnte auch mal ein Buch schreiben”?

Ein Verlag ist wichtig. Er war bei mir die erste Hürde, was die Konzeption und die Umsetzung des Buches angeht. Große Teile habe ich überarbeitet, weil mir das Feedback der erfahrenen Lektoren wichtig war. Auch in der Vermarktung hat mich der Verlag in der Anfangsphase stark unterstützt. Als Neuling in der Autorenszene hätte ich keine Ahnung gehabt, wie ich das Buch überhaupt an den Mann oder die Frau bringe. Wir haben immerhin 2000 Exemplare verkauft, das kann sich schon echt sehen lassen. Ohne Verlag im Rücken wäre mir das sicher nicht gelungen.
Was die Tipps angeht, so empfehle ich jedem, sehr viel zu schreiben. Es gibt über Blogs, über Gastartikel und Themenseiten so viele Möglichkeiten, Inhalte zu publizieren, nutzt es reichlich und regelmäßig. Wer keinen Spaß am Schreiben hat, sollte nicht über ein Buch nachdenken, es kostet sehr viel Blut, Schweiß und Tränen. Mir geht die Textarbeit schon verhältnismäßig leicht von der Hand, und trotzdem habe ich mich manche Stunde echt gequält. Auch das externe Feedback zu meinen bisherigen Texten war mir wichtig, um die Entscheidung fürs Buch zu treffen. Mein Netzwerk hat mich ermutigt, sonst hätte ich gar nicht erst angefangen. Fragt vor allem die kritischen Leute, wenn sie überzeugt sind, dann fangt an.

Ist der Igel-Faktor auch als E-Book erhältlich?

Das Buch ist bei BusinessVillage auch als E-Book zu bestellen. Da ich selbst totaler Buch-Fan bin und den digitalen Readern persönlich nicht viel abgewinnen kann, habe ich mich mit dem Thema nicht besonders beschäftigt. Jetzt ist die Halbwertszeit ohnehin vorbei, vielleicht beim nächsten Buch …

Ist bereits eine Neuauflage geplant oder gar ein weiteres Buch?

Drüber nachgedacht, ja. Geplant, nein. Zurzeit beschäftigen mich andere Projekte wie unser Filz-Shop und eine Beteiligung an einem Gartenmöbel Unternehmen, wo wir edle Loungemöbel aus Gebrauchsholz selbst fertigen und über das Internet vermarkten. Sind total spannende Themen, die meine ganze Energie fordern (neben dem Agenturgeschäft), insofern sind meine Buchpläne erstmal ins Jahr 20XX verschoben – aber man soll ja niemals nie sagen …

- Interview Ende -

Verlosung

Zusammen mit Thomas verlose ich noch ein von ihm handsigniertes Exemplar des Igel-Faktors (Neupreis aktuell 24,80). Alles was ihr dafür tun müsst ist innerhalb der nächsten acht Tage (also bis Donnerstag, den 6. Oktober 2011) den folgenden Tweet abzusetzen:

Ich möchte bei @MalteLandwehr ein Buch von @Thoxan über #Neukundengewinnung im Internet gewinnen http://landwehr.it/pGcU5F

Der Gewinner wird dann am Freitag von mir mittels Random.org ermittelt.

Regeln und Einschränkungen: Es zählen natürlich nur Tweets, die ich durch die Twitter-Suche, Topys, usw. finde. Pro Account gibt es ein Los. Mehrere Tweets von einem Account bringen keinen Vorteil. Reine Gewinnspiel-Accounts, sowie spammige Accounts werde ich vom Gewinnspiel ausschließen.

6 thoughts on “Online Reputation für Autoren

  1. Gewonnen hat Olaf Seydel von den SEO-Trainees. Ermittelt mit Hilfe von Excel und Random.org.

    Mini-Fazit zum Twitter-Gewinnspiel:
    1) Mehr Preise! Jetzt tun mir die 40 Leute leid, die nichts gewonnen haben.
    2) Kürzere Laufzeit! Es gab 30 Tweets am ersten Tag, 15 am zweiten und nur noch eine Hand voll in der folgenden Woche.

  2. Sehr schönes Interview, das die Autorenfunktion in ein Licht rückt, in der ich sie bisher noch nicht gesehen habe. Aber im Nachhinein erscheint es nur logisch, dass man auf diese Art noch eine ganze Reihe weiterer positiver Nebeneffekte erfährt. Mich würde mal interessieren, wie groß der tatsächliche Aufwand war. Also der komplette Prozess, von der Entwicklung der Idee über das Finden eines Verlages bis zum Schreiben und Veröffentlichen des Buches.

  3. Finde das Interview sehr lesenswert. Die ehrlichen Antworten haben mich überrascht. Interessant finde ich auch die Aussage, dass die positiven Nebeneffekte mehr eingebracht haben als der Verkauf vom Buch. Ich meine gelesen zu haben, dass dies bei Karl Kratz ähnlich der Fall gewesen ist. Und 2000 Exemplare in Zeiten von eBooks finde ich persönlich schon viel.

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