Google Suggest Autocomplete Manipulation

Google Suggest/Autocomplete Vorschläge für GoogleIm Oktober 2011 hat Daniel Wette auf dem SEO Day in Köln einen Vortrag über Möglichkeiten zur Manipulation von Google Suggest Autocomplete gehalten. In diesem Interview habe ich ihn zu möglichen Auswirkungen auf die Online Reputation befragt.

Was ist Google Suggest Autocomplete Manipulation?

Die Idee ist folgende: Gibt ein Nutzer einen Suchbegriff ein, so macht Google automatisch Vorschläge, wie die bisher eingetippte Phrase vervollständigt werden könnte. Wenn ich jetzt dafür sorgen könnte, dass bei einer Suche nach “abc” immer “abc def” als erster Vorschlag erscheint, würden mehr Suchende nach “abc def” suchen. Stehe ich also als Suchmaschinenoptimierer bei Google mit dem Keyword “Versicherungsvergleich online” sehr gut da, aber nicht mit dem Suchbegriff “Versicherungsvergleich kostenlos“, würde ich dafür sorgen, dass bei Eingabe von “Versicherungsvergleich” immer “Versicherungsvergleich online” als erster Vorschlag kommt.

Zusätzlich werden via Google Instant auch noch ständig die Ergebnisse des ersten Vorschlags angezeigt, während der Suchende noch tippt.

Interessiert das irgendjemanden?

Am Screenshot oben erkennt man, dass die Google Autocomplete Vorschläge nicht nur für die Suchmaschinenoptimierung interessant sind. Wenn sie bei der Suche nach einem Firmennamen auftauchen, können sie sich auch auf die Online Reputation auswirken. Dass Google Suggest bereits im Bewusstsein vieler Firmen angekommen ist, zeigt ein Urteil aus Frankreich: Google muss 50.000 Dollar Strafe zahlen, weil die Suggest Vorschläge bei einer Suche nach dem französischen Versicherer Lyonnaise de Garantie betrügerisches Verhalten suggerierten.

Es folgt das Interview:

Daniel, magst du dich erst einmal kurz vorstellen, bevor wir ins Thema einsteigen?

Ja. Gerne. Ich bin Geschäftsführer bei FAIRRANK in Köln und beschäftige mich jetzt bereits seit 14 Jahren mit Onlinemarketing. Anfangs als kleine Webagentur ohne Mitarbeiter mit dem Schwerpunkt auf der Webseitenerstellung, heute fokussiert auf die Bereiche SEM und SEO.

Daniel Wette

Daniel Wette

Kannst du kurz erklären was Google Suggest eigentlich ist, welche Rolle es für die Online Reputation spielt und was genau man manipulieren kann?

Google Suggests (oder wie es eigentlich mittlerweile heißt: Google Autocomplete) sind Suchvorschläge, welche Google direkt beim Tippen unterhalb des Suchschlitzes anzeigt. Google möchte damit das Nutzererlebnis verbessern und Geschwindigkeit im Suchvorgang erhöhen.

Für die Online Reputation kann das Ganze eine sehr große Rolle spielen, sobald in den Suggest Vorschlägen zu einer Marke oder einem Namen negative Begriffe auftauchen. Ein negativer Suggest-Vorschlag kann die gesamte Online-Wahrnehmung eines Unternehmens sehr stark negativ beeinflussen, auch wenn es bei der Suche nach dieser Negativ-Kombination keine unvorteilhaften Beiträge gibt. Der überwiegende Anteil der Nutzer wird bereits allein durch einen einzigen negativen Suggest-Vorschlag in seiner Meinung über das Unternehmen beeinflusst. Das hat sich auch in verschiedenen Tests mit Probanden gezeigt.

Rick Santorum ist einer der Bewerber für die republikanische Präsidentschaftskandidatur in den USA und hat einige Probleme mit seiner Online Reputation.

Rick Santorum ist einer der Bewerber für die republikanische Präsidentschaftskandidatur in den USA und hat einige Probleme mit seiner Online Reputation.

Manipulieren kann man die Vorschläge dadurch, dass man neue Vorschläge über bereits vorhandene Vorschläge bringt und diese damit verdrängt. Dies kann durch passive Einflussnahme (z. B. mittels PR-Aktionen) oder durch aktive Einflussnahme (mittels Erzeugung von Suchvolumen auf die gewünschte Begriffskombination) geschehen.

Und ist das alles nur Theorie oder gibt es konkrete Erfahrungswerte bezüglich der Möglichkeiten einer Einflussname auf die von Google ausgelieferten Autocomplete-Vorschläge?

Das ist alles erlebte Praxis :-) … Wir haben im letzten Jahr verschiedene größere Tests durchgeführt, welche sich mit der aktiven Einflussnahme beschäftigt haben. Neben diversen Fehlschlägen am Anfang, gab es dann verschiedene erfolgreiche Versuche. Teilweise haben wir einzelne neue Vorschläge in die Suggests gebracht, teilweise war es auch möglich die Suggest komplett auszutauschen.

Kannst du etwas zu den Mitteln sagen, die ihr zur Einflussnahme eingesetzt habt? In den USA scheint Mechanical Turk das Mittel der Wahl zu sein (siehe z. B. Brent D. Payne). Eine andere Möglichkeit könnte der Einsatz von Klickbots sein.

Ich kann und möchte jetzt hier nicht sagen, wie wir es genau gemacht haben. Das Ganze war ein Versuch, mit dem wir die genauen Funktionsweisen seitens Google verstehen wollten. Dein Beispiel kennen wir auch, und dies hat ja auch nachweislich funktioniert.

Mit dem Einsatz von Klickbots sind wir bislang nicht zum gewünschten Ergebnis gekommen. Google kann viele Informationen auswerten, um einen echten User von einem Klickbot zu unterscheiden.
Bislang basierten alle erfolgreichen Versuche von uns auf dem Agieren von echten Nutzern. Hierfür haben mehrere tausend unterschiedliche User zehntausende von Suchanfragen abgesetzt.
Das Thema „Interaktion“ und eine möglichst gute Nachahmung von echten Nutzern wird der Schlüssel sein, um Google Suggest irgendwann mit automatisierten Anfragen manipulieren zu können. Vielleicht hat es ja schon jemand hinbekommen?!

Gab es auch überraschende Erkenntnisse?

Überraschend hoch fand ich die Klickrate auf negative Suggest-Vorschläge. Da wir in unseren Versuchen alle Daten zu Suchanfragen beobachtet haben, konnten wir hinterher ausrechnen, dass die Klickraten auf negative Suggests bei ca. 4-5% lagen. Dies verdeutlicht auch noch mal wie stark diese Vorschläge die Reputation beeinflussen können. In einem Versuch führte dies dazu, dass das Suchvolumen auf die negative Kombination nach dem Herausfallen aus den Suggests auf 0 gefallen ist. Dies wiederum zeigt, dass sich negative Suggests quasi selbst befeuern und sich damit sehr lange (wenn nicht sogar dauerhaft) in den Vorschlägen halten können.

Weiterhin scheint es so zu sein, dass relevanter Content zu der Begriffskombination auch ein Ranking-Faktor ist. In unseren Versuchen gab es einige Begriffskombinationen, zu denen es keinen relevanten Content gab und die auch nicht in die Vorschlagsliste gebracht werden konnten. Wenn dem so ist, dann ist die Flutung der Ergebnisse der negativen Begriffskombination mit positiven Berichten ggf. kontraproduktiv für einen späteren Manipulationsversuch.

Ist dir bekannt, ob es in Deutschland aktuell einen Markt für die Manipulation von Google Suggest gibt?

Ich denke schon, dass es hier einen Markt gibt. Nach meinem Vortrag zu dem Thema habe ich eine Vielzahl von Anfragen hierzu erhalten. Aufgrund des enormen Aufwands, den wir für die erfolgreiche Manipulation betreiben mussten, ist eine Manipulation mit echten Usern in der Regel aber deutlich zu teuer. Wenn jemand die Suggest mit automatisierten Anfragen zuverlässig manipulieren könnte, dann wäre dies sicherlich ein lohnendes Geschäft sein.

26 thoughts on “Google Suggest Autocomplete Manipulation

  1. @Malte hast du die Mechanical Turk Variante mal erfolgreich ausprobiert? Vor allem für den deutschen Markt? Mir fehlt hierzulande noch eine Success Story. Ansonsten kann man sich gerne mal privat austauschen falls du in diesem Themenbereich noch aktiv bist :)

  2. Was es alles gibt. Ich glaube, bald wird im netz nur noch der verdienen ,der die besten Manipulationstechniken, Spamtechniken und spowas beherrscht. Qualität ist oft nicht mehr gefragt.

  3. Pingback: Google Suggest: Ein Hilfe für die User oder der Fluch der Unternehmen?

  4. Das Thema der Manipulation der Suggest geistert schon eine ganze Weile im Netz. Wenn man einmal weiß wie es möglich ist die Suggest “anzupassen”, kann man da tolle Dinge mit anstellen.

  5. Pingback: Google Suggest Autocomplete und der Fluch der viralen Manipulation im Netz | Moltroff's Stirnlappen

  6. Toller Beitrag. Interessant ist, dass sich dieser ein halbes Jahr später schon abgeändert hat.

    Nun steht unter: Google ist…
    dein Freund
    ne Mi…rt
    doof
    schwul

    Google Suggestions sind natürlich durch automatisierte Skripte manipulativ. Viel beeindruckender empfinde ich aber dann die Leistung von Zalando, direkt unter Z vor ZDF von Google vorgeschlagen zu werden, da hier sowohl starke Offline- als auch Onlinemaßnahmengegriffen haben.

    Danke für den Beitrag.

  7. Sehr Interessantes Interview. Vielen Dank dafür! Gibt es noch mehr Erkenntnisse über Mainipulationen der Vorschläge? Oder kann Google solche Manipulationen mitlerweiler Erkennen? Wenn mit automatisierter Software gearbeitet wird, sollte das doch kein Problem sein.

  8. Google Suggest Autocomplete Manipulation ist sicher ein sehr spannendes Thema. Danke für den Beitrag. Ich war mir darüber noch gar nicht im klaren das es überhaupt geht und so relevant sein kann mit den negativ-Vorschlägen.
    Die Frage welche ich mir immer öfter Stelle: Was soll man eigentlich noch alles für seine Webseiten machen? Was ist wirklich wichtig? Denn schließlich ist die zur verfügung stehende Zeit für die Webseite nicht unendlich.

  9. Für Firmen wie z.B. BP damals mit der Ölkatastrophe, wäre es sicher sehr wichtig gewesen da gegenzusteuern. Sie haben auch riesige Summen in Adwords gesteckt um ihren Ruf einigermaßen zu retten…

  10. Pingback: Google Algorithmus Updates im Februar 2012

  11. Ein spannendes Thema, das aber sehr viel Aufwand bedeutet, und der Erfolg ja auch nicht unbedingt sicher gestellt ist.
    Von mir selber kann ich wohl nicht ausgehen, verwende ich selbst das Suggest ja eher, um zu sehen was die Anderen suchen. Oder ist das vielleicht eh schon alles gefälscht?

  12. Ich hätte mir auch gewünscht, dass es etwas mehr in die Tiefe geht … jedoch ist Google Suggest recht nützlich für Online Reputation :)

  13. Echt sehr interessantes Interview, und schade nur das er nicht so ins Detail gegangen ist :-) … mich würde noch interessieren, wieviele Leute das Autocomplete nutzen

  14. @ Kai: Von guten Agenturen Stiefmütterlich behandelt halte ich noch ein wenig für übertrieben. Von Unternehmen wird/wurde es sicherlich stark vernachlässigt. GS ist erst seit 1,5 Jahren auf dem Markt, da haben sich sicherlich einige schon Gedanken zu gemacht und eine menge Testläufe gefahren (wie z.B. Daniel).
    Der Markt für Suggest wird sich sicherlich noch entwickeln, die Frage wird eher sein, wie gut wird er sich halten können.

  15. Sehr interessant, mit diesem Thema habe ich mich leider noch gar nicht so auseinandersetzen können. Als einzelnem fehlen einem für Tests ja oft die Ressourcen. Ich denke das Online Reputation immer wichtig ist und es auch bleiben wird. Da sind SERP- und Suggest- Manipulationen eben auch nicht selten. Wenn so was auffliegt ist das aber sicherlich trotzdem ärgerlich. Wenn auch vielleicht nicht ganz so schlim wie die Manipulation von Bewertungen.

  16. Pingback: Interview: Google Autocomplete manipulieren – SEO.at

  17. Schönes Interview! Auf dem SEO Day in Köln war ich leider nicht, evtl. gab es ja dort schon ein paar weiterführende Infos zu automatisierten Manipulation von Google Suggest. Als Kernaussage dieses Artikels nehme ich “Bislang basierten alle erfolgreichen Versuche von uns auf dem Agieren von echten Nutzern” mit. Hat man also die Intention die Google Suggest automatisch zu manipulieren, muss man wohl gut echte User nachbilden.

    Einen Markt für die Manipulation von Google Suggest gibt es meiner Meinung nach auch auf jeden Fall!!!

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