Live Blogging auf Konferenzen

Live Blogger am SchreibtischAuch wenn ich mich nie fürs Live Blogging auf Meetings und Konferenzen begeistern konnte (was sich eventuell mit BarCamp Ruhr ändern wird), will ich allen angehenden Live Bloggern ein paar Ratschläge an die Hand geben.

Warum live bloggen?

Eventblogging darf nicht mit permanentem Liveblogging a la Twitter verwechselt werden. Beim Livebloggen geht es darum, Informationen von einem Event innerhalb kürzester Zeit online zu stellen und zu Hause Gebliebenen das Gefühl zu geben dabei zu sein und nichts zu verpassen. Professionelles Livebloggen von der richtigen Veranstaltung kann sich sehr positiv auf die eigene Bekanntheit auswirken und wird häufig mit zahlreichen Links belohnt. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch die neue Eventblogging-Gruppe auf Yigg, welche diese Art des Bloggens in Deutschland zu mehr Popularität verhelfen wird.

Die Vorbereitung

Denk an die Hardware
Offensichtlich sollte es sein einen Laptop mit Netzteil und Ladegerät einzupacken. Dazu gehört auf jeden Fall noch ein zweiter Akku, damit dir nicht mitten in der Session der Saft ausgeht. Natürlich sollte beide mitgebrachte Akkus neuwertig sein und noch über ihre volle Kapazität, und somit Laufzeit, verfügen.

UMTS Karte im LaptopFast genauso wichtig wie der Laptop ist eine UMTS und GPRS Karte. Empfehlenswert ist ein Kombigerät welches, falls verfügbar, eine UMTS Verbindung auswählt und sonst auf den veralteten GPRS Standard zugreift. Mit dieser Kombi bist du auch online wenn das lokale WLan zusammenbricht (oder gar keines vorhanden ist). UMTS Flatrates sind bereits für 25 Euro zu habe.

Auch wenn vor Ort ein drahtloser Netzzugang angeboten wird solltest du dich nie auf diesen verlassen. Denn selbst wenn alles klappt ist die ganze Sache oft quälend langsam oder nicht überall verfügbar, so dass du fürs Bloggen an bestimmte Plätze (zum Beispiel den überfüllten Presseraum) angewiesen bist. Mehr zum Thema UMTS Tarife findest du am Ende dieses Artikels.

Ein kleiner Tipp um dich beliebt zu machen: Wenn drei Leute ihre Laptops an nur einer Steckdose aufladen möchten, ist niemand beliebter als der mit der Mehrfachsteckdose.

Je nach Art der Veranstaltung und eigenem Anspruch würde ich auch eine Digital Kamera, sowie ein Diktiergerät und eventuell sogar eine Videokamera einstecken. Denn nichts wäre ärgerlicher als eine gute Gelegenheit für ein interessantes Interview sausenlassen zu müssen. Auch für diese Geräte sollten natürlich alle Akkus aufgeladen werden. Dazu noch alle nötigen Datenkabel und gegebenenfalls Kartenleser und es kann losgehen.

Plane im Voraus
Ja, beim Liveblogging geht es darum vor Ort Gehörtes und Gesehenes spontan in einen Text zu verwandeln. Dennoch sollte man sich schon vor Beginn des Events über die Themen der Sessions, die man plant zu besuchen, informieren und auch einige Hintergründe über die Referenten heraussuchen.

Idealerweise hast du für jede Session schon eine Einleitung parat, in der du alle Sprecher vorstellst, sowie eine Liste mit Hintergrund-Links zu Themen von denen du erwartest, dass sie angesprochen werden. Aber erspare dir die Peinlichkeit einen Artikel über jemanden zu veröffentlichen, der kurzfristig absagen musste und ließ alle vorbereiteten Passagen noch einmal durch.

Arbeite einen möglichst genauen Plan aus. Wann hörst du welchen Vortrag? Wer spricht und über was? Wo findet es statt? Welche Wege musst du zurücklegen? Wann hast du Zeit etwas zu Essen?

Pack was zu Knabbern ein
Ein Tag Live-Blogging auf einer großen Konferenz kann locker zu einem Arbeitstag mit 10 Stunden werden, plus Nachbearbeitung der Artikel nach Ende der Veranstaltung. Um während des Mittagessens keine unnötige Zeit zu Apfelverschwenden (in der man zum Beispiel den Laptop aufladen oder eine Interview führen kann) brauchst du Snacks. Ideal sind frisches Obst, Müsliriegel und andere Nahrungsmittel die dich mit Energie versorgen aber nicht träge machen. Außerdem natürlich eine Flasche Wasser und vielleicht Wachmacher wie Schwarzer Tee, Schokolade, Kaffee, Red Bull oder Koffein-Tabletten (da hat ja jeder seine eigenen Vorlieben). Vermeiden würde ich alles was spritze, backt, klebt und fettige Finger macht, sonst saut man das, vielleicht nur geliehene, Equipment zu sehr ein.

Die richtige Kleidung
Das mag jetzt lächerlich klingen aber versucht dich so zu kleiden, dass du bei jeder Temperatur Arbeiten kannst ohne ins Schwitzen zu kommen oder vor Kälte zu zittern. Denn egal wie ideal das Wetter ist, es gibt immer Idioten die nicht mit der Klimaanlage umgehen können. (Das gilt speziell für die USA. Dort betreiben einige Leute ihre Air Condition 24/7 auf voller Power.) Für Männer also Jeans und Hemd mit Sakko oder Pullover.

Außerdem solltest du dich bei der Wahl deiner Kleidung darauf einstellen, zwischen Sessions und After Show Events nicht mehr im Hotel vorbeischauen zu können, sondern direkt in einer Bar zu landen.

Das Gepäck
Falls du fliegen musst, solltest du versuchen dein ganzes Gepäck in einen Trolley zu kriegen welcher noch als Handgepäck durchgeht. Auch wenn es (besonders für die Bloggerinnen) hart sein mag: So sparst du enorm viel Zeit und Nerven!

Zusammenfassung

  • Laptop mit Netzteil
  • Ersatz Akku
  • UMTS Karte
  • Mehrfachsteckdose
  • Digitalkamera
  • Praktische und bequeme Kleidung
  • Snacks
  • leichtes Gepäck

Während der Show

Verschaff dir einen Überblick
Beim Betreten der Messehallen wirst du häufig mit allem möglichen Schrott überhäuft. Die meisten Informationsbroschüren sollten direkt in den Müll (oder ungelesen in deine Tasche) wandern. Lediglich das Vortragsverzeichnis ist von Interesse. Wenn du auf diesem die Vorträge markierst, die du zu besuchen planst, hast du einen guten Überblick über deinen Tagesablauf und weißt immer genau wo du hin musst.

Setze dich
Jeder bevorzugt andere Plätze wenn es ums Livebloggen geht. Finde heraus wo du am produktivsten bist (erste Reihe, Steve Jobs gibt eine Präsentationletzte Reihe, usw.) und versuch früh genug auf jeder Session zu sein um dir deinen Lieblingsplatz zu sichern. Nichts ist nerviger als zu spät zu kommen und auf den letzten verbleibenden Stuhl (zwischen zwei ebenfalls bloggenden Hühnern mit 17° Notebooks) platz nehmen zu müssen. Mein Tipp, erste Reihe: Mehr Beinfreiheit, du siehst alles, du hörst alles (geschwätzige Zeitgenossen ohne richtiges Interesse am Thema sitzen meist weiter hinten) und wenn du kurz vor Ende der Session schon zu nächsten hetzen musst, kommst du schnell los. Außerdem könnte sich die Gelegenheit ergeben mit einem der Präsentatoren zu quatschen und ein oder zwei Extrafragen zu stellen.

Fokussiere deine Gedanken
Auch wenn sich ein nettes Gespräch unter Kollegen oder ein Flirt anbietet: Du bist nur zum Bloggen da! Natürlich ist jeder anders veranlagt aber für die meisten dürfte es am produktivsten sein sich nur auf die Sprecher zu konzentrieren und drauf los zu bloggen. Schnelles Tippen (10 Finger System oder vergleichbare Geschwindigkeit sollten es schon sein*) ist natürlich essentiell! Außerdem solltest du versuchen schon so viel Struktur in deinen Artikel wie möglich zu bringen.
Für das Nacheditieren deines Beitrages bleibt dir meist in der Frage-und-Antwort Phase genug Zeit, denn viele der Fragen werden nicht sehr wichtig sein.

*Noch mal zum schnell Tippen: Mit TyperA kann man sich gut prüfen und das schnelle Tippen auch gezielt trainieren (bei mir waren es gerade in einem Selbstversuch lediglich 40 Wörter pro Minute mit 3 Fehlern in 2 Minuten).

Poste drauf los
Wenn du zwischen zwei Sessions ein wenig Zeit hast, solltest du sie dazu nutzen deinen zuletzt geschriebenen Beitrag noch einmal zu lesen und zu verbessern. Aber begehe nicht den Fehler zu versuchen einen perfekten Beitrag zu schreiben. Beim Liveblogging kommt es mehr auf Geschwindigkeit als auf Perfektion an. Lesen, korrigieren, formatieren und ab dafür! Sobald du einen Artikel veröffentlicht hast kannst du ihn wieder vergessen und solltest dich lieber auf die nächste Session vorbereiten.

Nach der Show

Nachbessern
Wenn dir am Abend noch Zeit bleibt kannst du sie nutzen um alle Beiträge noch einmal zu überfliegen und grobe Schnitzer (falsche Formatierung, Tippfehler, usw.) auszubessern. Vermutlich wird dir der Sinn aber nach etwas anderem stehen:

Party
Aftershow Partys sind der perfekte Ort zum Networking und die Ablenkungen hast du dir redlich verdient (genau wie Lisa London SEO Partyund Rebecca von denen viele dieser Ratschläge stammen).

Zum Abschluss noch ein paar Hinweise:

Ich beziehe mich meistens auf Konferenzen aber viele dieser Regeln lassen sich auch auf Messen oder Sportveranstaltungen übertragen.

Wenn du eher mit geringer Frequenz bloggst solltest du deine Liveblog Beiträge aus dem regulären Feed schmeißen (dafür gibt es diverse Plugins) oder sie ankündigen. Nicht jeder deiner Leser wird verstehen was Livebloggen ist und einige könnten dich für diese Flut “schlechter” Artikel aus ihrem Feedreader löschen.

Für Experten ist das Tool Cover it Live gedacht, welches jedoch leider zur Zeit down ist (daher auch nur der Link zu Franz statt zur Original Seite www.coveritlive.com ). Mittlerweile läuft Coveritlive.com wieder und wie ich gesehen habe, hat auch Robert schon seinen Senf dazu abgegeben.

UMTS Flatrates

Mit einer normalen UMTS Verbindung sind im Downlink maximal 384 KBit/s (also etwa sechsfache ISDN Geschwindigkeit) möglich. Diese Geschwindigkeit lässt sich mit der HSDPA Technologie auf bis zu 7,2 MBit/s steigern (entspricht etwa DSL 7.000).

Echte Flatrates
Diese Tarife sind echte Flatrates ohne Zeit- und Volumenbeschränkungen.

Von MoobiCent gibt es eine Flatrate mit HSDPA für 39,95 € im Monat mit einer Vertragslaufzeit von nur 4 Monaten. Genutzt wird das Vodafone D2 Netz. Diese Flat ist die schnellste und bietet dir kürzeste Vertragslaufzeit!

Schon für 25 Euro ist man bei BASE dabei, muss sich allerdings für 24 Monate binden und bekommt nur die langsame UMTS Version ohne HSDPA geboten.

Volumentarife
Für lediglich mal reinschnuppern oder UMTS nur sehr selten nutzen möchte, für den bietet sich der Volumentarif von blau.de an. Hier werden pro übertragenem MB 24 Cent bezahlt. Wenn du UMTS nur zum Livebloggen benötigst rate ich dir auf jeden Fall zu blau.de!

6 thoughts on “Live Blogging auf Konferenzen

  1. Pingback: JavaOne 2008: Startup Camp und Community One | everflux

  2. Pingback: Wie man einen Inhouse SEO einstellt

  3. irgendwie nehmen sich da alle viel zu wichtig…

    ich denke, wenn man zu einer Veranstaltung geht:

    wie wäre es einfach mal mit Zuhören und Verstehen anstelle unverdautes Zeug gleich weiterzuverbreiten?

  4. Dieses Live-Blogging grassiert mometan. Selbst zu Sendungen wie Uri Geller werden Blogs as dem Boden gestampft und schon während der Sendung unterhalten sich die Zuschauer dort über die Show und decken die Tricks noch vor Ende der Sendung auf.

    Mich wundert es dabei nur meist, dass die Betreiber in den seltensten Fällen Werbung schalten, denn so hätte man auch was von den vielen Usern ;-)

    Tolles Blog übrigens! Gefällt mir!

  5. Pingback: Das CIO-Weblog

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