Wie StudiVZ der Jungen Union zum Verhängnis wurde

Heute ist es kaum noch Möglich sich durchs Internet zu bewegen ohne irgendwo dick und fett etwas von Online Identität oder Reputation zu lesen und dennoch gibt es Menschen wie Thomas Müller.

Thomas Müller? Who the fuck? Kenn ich nicht!

Kannte ich bis gestern auch nicht. Der junge Mann war…

  • Geschäftsführer des CDU-Kreisverband Schwalm-Eder
  • stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Union Hessen
  • Schriftführer des Kreisverbandes Waldeck-Frankenberg
  • leitete den Frankenberger Stadtverband der JU
  • und saß dem CDU-Stadtverband Frankenberg bei war.

Das sind nicht gerade wenige Aufgaben, die der Thomas sich da aufgehalst und auch wenn Herr Überwachungsstaat Schäuble stets bemüht ist uns vom Gegenteil zu überzeugen: Wer ein politisches Amt (oder gleich ein halbes Dutzend) bekleidet wird sicher über ein gewisses Mindestmaß an Intelligenz verfügen.

Auftreten in Öffentlichkeit und Internet

Was mache ich also wenn ich in der politischen Öffentlichkeit stehe? Naja, ich besaufe mich nicht vor Kameras, verkleide mich an Karneval nicht als Hitler (geht in Deutschland ja sowieso nicht), kaufe mir keine Klamotten von Lonsdale und Thor Steiner (auch wenn ich sie cool finde) und passe genrell auf was ich tue und sage.

Aber sobald ich online bin kann lassen was ich will!

Nein kannst du nicht. Du nicht, ich nicht und auch ein Thomas Müller nicht. Zur Sache: Der Thomas war (wie mehr als 20.000 andere Studenten auch) Mitglied in diesen StudiVZ Gruppen:

  • Nach Frankreich fahr ich nur auf Ketten
  • Krieg ist scheiße, aber der Sound ist geil
  • Brot für die Welt – Fleisch für mich
  • Wär’ ich Kreuzritter gewesen, hätten wir Jerusalem noch

Im Prinzip nichts schlimmes und natürlich lustig gemeint. Aber dürfen (angehende) Politiker diese Art von Humor öffentlich verbreiten? Bei der CDU nicht, denn Thomas Müller wurde vom Bundestagsabgeordneten und verteidigungspolitischen Sprecher der CDU im Bundestag Bernd Siebert seines Amtes als Geschäftsführer des CDU-Kreisverbandes Schwalm-Eder enthoben:

[...] bei Bezeichnungen wie “Nach Frankreich fahr ich nur auf Ketten” hat der Spaß schon lange aufgehört. [... mir ist völlig unverständlich] wie sich ein Mensch mit einer solchen politischen Funktion überhaupt auf solchen Internetseiten tummeln [kann] (via WLZ FZ).

Müllers weiterer Verbleib in CDU und JU ist noch ungewiss.

Ich widerspreche dem Herrn Siebert zwar vehement und fordere mehr Präsenz von Politikern im Netz aber die Mitgliedschaft in diesen Gruppen nicht auf unsichtbar zu setzen war wirklich dumm! Zwar gibt es hier und da Unterstützung für Müller aber auch ein Schnellkurs in Ironie wird der alte Garde der CDU solche Späße sicher nicht schmackhaft machen.

Aber Kopf hoch Thomas! Auch wenn deine politische Karriere jetzt ein Scherbenhaufen ist. Dir bleibt eine wichtige Erkenntnis: Es gibt keine Privatsphäre im Web 2.0!

Aha

Ja und? Scheiß Politiker! Hab ich doch nichts mit am Hut!

Das mögen einige jetzt denken aber ich weiß aus erstes Hand, dass mindestens eine große deutsche Bank ihre Azubis abmahnt, wenn sie in StudiVZ Gruppen wie “Ficken für de Weltfrieden” angemeldet sind.

Und die Sache mit den Fungruppen wird noch mal eine ganze Ecke wichtiger werden, wenn die StudiVZ Profile für Suchmaschinen zugänglich gemacht werden (zumindest optional wird dieses Feature garantiert irgendwann kommen). Bei den Briten gab es übrigens schon letztes Jahr ähnliche Vorkommnisse.

Bernd Siebert twittert

Hat jetzt nichts mit dem Thema zu tun aber zum Bernd Siebert muss ich noch was los werden. Wenn ihr auf www.siebert-bernd.de/bericht05.htm klickt, an was müsst ihr denken? Genau, dass sieht aus wie Microblogging! Der Kerl hat noch nie etwas von StudiVZ gehört aber microbloggt seit Februar 2003 (zum Vergleich: Sascha Lobo hat erst im Mai 2007 zu Twitter gefunden).

Ein Vergleich zwischen Bernd Siebers Website und Twitter.

Nagut, ich gebs ja zu. Was wir da sehen sind nur die Überschriften seiner ellenlangen PDFs aber hey, man wird doch noch (von einem Hybrid zwischen Politiker & Early Adopter) träumen können.

Und wo wir gerade von Twitter reden: Ich habe die 100 Followermarke geknackt (und bin somit auf dem Olymp der C-Twitterer angekommen) und habe mit dem Feiertags Warnsystem meinen ersten sinnvollen Twitter-Dienst gestartet.

12 thoughts on “Wie StudiVZ der Jungen Union zum Verhängnis wurde

  1. Pingback: Das neue Privatleben » Seokratie

  2. Ich finde auch als Politiker sollten sie genauso wie jeder andere auch sich z.b. Betrinken oder einen schwarzen Humor verbreiten dürfen. Durch solche Tabus etc. werden unsere Politiker nur, noch Weltfremder als sie es jetzt schon sind. Gerade Politiker die auch mal Fehler machen, aber wenigstens dazu stehen und daraus lernen zeigen letztendlich wahre Größe, als eine Merkel die erst am letzten Drücker mal Position bezieht. Gerade Nachkriegspolitiker die noch vom Volk kamen und keine Verzogene Bonzenkinder waren, haben Österreich und Deutschland großgemacht.

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  5. Ja und? Scheiß Politiker! Hab ich doch nichts mit am Hut!

    Politiker sind teilweise wichtige Entscheider. Insofern wiegt ein solcher Eingriff durchaus schwer.

    Das verhalten von thomas Müller zeigt eigentlich vor allem eines: Besonders Lokalpolitiker sind meistens ganz normale Menschen, die nicht weiter denken, als du oder ich. Warum sollten sie auch anders sein. ;-)

  6. Das mögen einige jetzt denken aber ich weiß aus erstes Hand, dass mindestens eine große deutsche Bank ihre Azubis abmahnt, wenn sie in StudiVZ Gruppen wie “Ficken für de Weltfrieden” angemeldet sind.

    Ich bin mir ziemlich sicher das diese Abmahnungen keinerlei Rechtsgültigkeit besitzen, da sie einen Eingriff in das Privatleben der Mitarbeiter bedeuten. Ansonsten sehr schön geschrieben
    MfG
    Stephan

  7. Ich finde die allgemeine Diskussion interessant, die hier jetzt oft über StudiVZ und Web2.0 geführt ist… oft von Ex-68ern, und man hört dann, was man alles privat halten sollte, was die Öffentlichkeit nicht erfahren sollte, dass man aufpassen soll, was vielleicht ein möglicher Arbeitgeber mitbekommt. Wenn man es sich überlegt, ist das eine Sichtweise von Spießern. Früher sagten sie “Wer zweimal mit der gleichen pennt, gehört schon zum Establishment”, und nun kann es ihnen nicht bürgerlich, anständig, brav genug sein, und jeder der sich etwas mutig-verrückter präsentiert, macht was falsch, bringt sich in Gefahr. Um den JU-Vorsitzenden im speziellen tut es mir nicht leid, da ich die JU und ihre Karrieristen nicht mag, schon gar keine mit rechten Tendenzen, aber wie hier der Web2.0-Gemeinde empfohlen wird, sich angepasst-spießig-clean zu verhalten und zu zeigen, das finde ich ziemlich daneben…

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  10. Macht immer wieder Sinn deine Newsletter zu lesen. Es ist das Gefühl “fündig” zu werden. – Im Web 2.0 keine leichte Sache (und nicht ohne Risiko ;-)
    Immer weiter so Malte,
    Kompliment aus dem Norden

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